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Bulat
Grünschnabel
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Hallo zusammen,
ich würde mich gerne zum chasarischen Reich ein wenig äußern und hoffe, dass diese Äußerungen für den einen oder anderen von Interesse sind.
Das chasarische Reich, wie auch dessen Rolle ist ein sehr interessanter Abschnitt der eurasischen Geschichte, welcher in hohem Maß für politische Zwecke benutzt wurde und auch noch benutzt wird, welcher aber auch gleichzeitig viele ungeklärte Fragen aufwirft.
Das Chasarische Kaganat existierte über einen Zeitraum von ca. 350 bis 400 Jahren als ein selbstständiges politisches Gebilde.
Wer waren die Chasaren?
Balamir betrachtet die Chasaren klar als Türken, welches meiner Meinung nach, nicht unkommentiert bleiben sollte.
Die Chasaren als Kernvolk des Reiches haben ihren Ursprung wohl im Kaukasus, im heutigen Dagistan. Zur Zeit als das erste Reich der Gök Türken stark an politischer Stärke verlor (hauptsächlich durch innere Streitereien) begannen mehrere Völker, welche in das Reich der Gök Türken integriert waren, eine selbstständige politische Rolle zu spielen. So auch die Chasaren. Sicher ist, dass dieses Kernvolk, bestehend aus türkischen, kaukasischen wie auch iranischen (jedoch überwog das türkische Element) eine westtürkische Sprache sprach und dass die Herrscher der Chasaren eine direkte Verbindung zur türkischen Herrscherfamilie der Ashina herstellte um so ihre Macht zu legitimisieren. Allerdings muss gesagt werden, dass eine Vielzahl von Völkern dieses Reich prägten. Türkische, iranische, slawische wie auch germanische Völker haben das spätere Reich der Chasaren wesentlich geformt.
Aus einem Staatsgebilde mit ausschließlicher Steppenkultur wurde mit der Zeit ein Staat, welcher seine wirtschaftliche Kraft mehr aus dem Handel, der Kultivierung des Bodens wie auch Zollabgaben auf den Durchgangshandel bezog, als aus der typisch nomadischen Wirtschaftsform.
Jedoch wurde besonders in den reicheren Schichten des chasarischen Kernvolkes die (halb-) nomadische Kultur beibehalten.
Der Aufstieg zu einer Großmacht im westlichen Eurasien begann mit dem Sieg der Chasaren über das großbulgarische Reich, welches sich über die pontische Steppe erstreckte. Nach der Niederlage gegen die Chasaren, zog eine Gruppe der Bulgaren (unter Asparukh) gen Westen, wo diese an der Donau das bulgarische Khaganat errichteten. Eine zweite Gruppe zog nordwärts, wo an der oberen Wolga im Gebiet des heutigen Tatarstans durch diese das Reich der Wolgabulgaren gegründet wurde.
Zur gleichen Zeit begannen auch im Kaukasus die chasarisch-arabischen Kriege, welche sich über einen Zeitraum von fast 100 Jahre erstrecken sollten. Einige nennen die Chasaren in einem Atemzug mit den Franken. Denn ebenso wie die Franken im ersten Drittel des 8. Jahrhunderts den Vormarsch der Araber im Westen zum Stillstand brachen, so haben die Chasaren den Vormarsch der Araber im Osten zum Stillstand gebracht. Dieser Vergleich ist jedoch umstritten.
In den Zeitraum des 8. und 9. Jahrhunderts fällt auch die Zeit der Blüte des chasarischen Khaganates. Dieses erstreckte sich zu dieser Zeit von Kiew im Westen bis an die östliche Küste des Schwarzen Meeres und vom Kaukasus über die Krim bis an die nördlichen Waldgebiete der Wolga.
Allerdings begannen im 9. Jahrhundert neue Wellen von Steppenvölkern aus dem Osten nach Westen zu dringen. Dies waren die Madyaren, Petschenegen und andere. Zur gleichen Zeit wuchs im Westen das Reich der Kiewer Rus heran. Unter den Schlägen aus dem Osten wie dem Westen brach das Reich der Chasaren schließlich im 10. Jahrhundert zusammen. In der zweiten Hälfte griff Swjatoslaw, Herrscher der Kiewer Rus die Chasaren an und schlug diese vernichtend. Mit Sicherheit war dies der todbringende Stoß gewesen. Jedoch ist anzunehmen, dass der endgültige Tod später eintrat. Es gibt Gelehrte, welche das Erleben des Chasarenkaganates auf das erste Viertel des 11. Jahrhunderts datieren.
Ein besonderes Kapitel ist die religiöse Entwichlung Chasariens. In der Hauptstadt Itil sollen Vertreter der drei großen monotheistischen Religionen, wie auch "Götzenanbeter" vertreten gewesen sein und für jede dieser Gruppen gab es eigene Richter. Gerade dieses Kapitel wirft viele Fragen auf und hat viele Konflikte unter den Gelehrten hervorgerufen.
Ich würde mich über Kommentare freuen. Ebenso fände ich es toll wenn eine Diskussion zu dem slawisch-chasarischen Verhältnis, oder der Annahme des Judentums durch die Chasaren aufkommen würde.
Viele Grüsse
Bulat
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Beitragsnr.: 5302
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19.10.2007 20:10 |
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