Die Burgen des Abendlandes waren im Gegensatz zu den Festungen und Garnisonen des Morgenlandes hauptsaechlich Wohngebaeude, keine Karsernen von Soldaten. Doch ist es nicht so, wie das einfache Volk denkt, dass jeder Ritter auf einer Burg wohnt. Welch paradiesische Vorstellung! Eine Burg zu errichten und zu erhalten kostete viel Geld. Daher besassen nur der Hochadel und zu Reichtum gekommene Ritter und Ministieriale eine Burg. Soweit ein Ritter zu Familie und Lehen gekommen war, lebte er in einem leicht befestigten Gebaeude, meist in der Naehe eines seiner Doerfer. Das wenige, das es von einem gewoehnlichem Bauerhaus unterschied, war, dass es meist aus Stein gebaut und eventuell leicht befestigt war. Trotzdem hatte es nichts mit einer Burg zu tun.
Ritter, die zu keinen Lehen kamen, blieben meist im Dienst ihres Herren auf dessen Burg, und viele wurden mit Aemtern wie Landvogt, Schatzmeister, Waffenmeister oder Jagdaufseher bekleidet.
Nun aber zur eigentlichen Burg. Der Vorlaeufer der Burgen unserer Zeit waren die sogenannten Motten. Vermutlich ist ihre Entstehung auf das 9. und 10. Jahrhundert zurueckzufuehren. Eine solche Motte bestand aus einem hoelzernem Wohn- und Wehrturm, der auf einem meist aufgeschuettetem Huegel stand. Der Turm war von einem hoelzernem Palisade umgeben. Am Fusse des Huegels war ein weiterer Bereich, ebenfalls durch einen Palisadenzaun und durch einen Graben geschuetzt, in welchem Staelle und Wirtschaftsgebaeude standen. Von dieser Vorburg konnte man nur ueber eine Fallbruecke in die Hauptburg, den Turm, gelangen. Schon hier laesst sich die fuer die abendlaendischen Burgen typische Zweiteilung in Vor- und Hauptburg erkennen.
Auf einer solchen Motte lebte nun ein Lehensherr oder ein Ritter mit seiner Familie und seinem Gefolge auf engstem Raum zusammen. Wenn ein Feind sich dem Lehen naeherte, fluechteten die Bauern der Umgebung mit ihrem Vieh in die Motte ihres Herren, um Schutz zu suchen. Waehrend Notzeiten wie den grossen Wikingerstuermen schossen diese Motten wie Pilze aus dem Boden. Selbst spaeter, als es schon Burgen aus Stein gab, wurden sie errichtet. Im 11. Jahrhundert verstaerkte man viele Motten, indem man die Holzgebaeude teilweise durch Stein ersetzte. Diese Entwicklung ging, durch den Einfluss der morgenlaendischen Festungen verursacht, bis in das 11. und 12. Jahrhundert, in welchem man die Befestigungsanlagen nur noch aus Stein errichtete. Von diesem Zeitpunkt an spricht man nicht mehr von Motten.
Seit Mitte des 11. Jahrhunderts diente die Burg dem Adel als Wohnsitz und Festung zugleich. Sie war zum Mittelpunkt des ritterlichen Lebens geworden.
Burgen wurden meist auf nur schwer erreichbaren Bergkuppen und Huegeln erbaut. In flachen Gegenden umgab die Burgen mit breiten, tiefen Wassergraeben, die sogenannten Wasserburgen. Ausserdem errichtete man sie an strategisch wichtigen Punkten, wie zum Beispiel an wichtigen Verkehrswegen (Strassen und Fluesse). Man schaue sich nur den Rhein an, wo fast um jede Flussbiegung eine neue Burg an den steilen Hang gebaut wurde. Oder die Loire, deren Ufer knapp 300 Burgen zieren.
Die Burg bestand aus einer Hauptburg, die rundherum von einer hohen Mauer umgeben war. In die Mauer waren in unregelmaessigen Abstaenden Wachtuerme eingebaut. Auf der Mauer war ein geschuetzter Gang, der Wehrgang, errichtet. An der Wand entlang des Wehrganges waren schmale Schiessscharten, um einen Angreifer vom Wehrgang aus unter Beschuss nehmen zu koennen, eingelassen. Ein Bogenschuetze, der hinter einer Schiesscharte stand, war fuer den Angreifer schwer zu treffen. Durch Pechnasen, Oeffnungen im Boden des der Mauer vorgelagerten Wehrganges, konnte man heisses Wasser, Kalk, Pech, Steine und gluehenden Sand auf die Angreifer schuetten.
Im Inneren der Hauptburg befanden sich der Pallas, das Wohngebaeude des Burgherren und seines Gefolges. In diesem Gebaeude befand sich auch der meist einzige beheizbare Raum der ganzen Burg, die Kemenate, die der Wohnraum der Frauen war. Die kleine Besatzung der Burg und das Gesinde hatten meist ein eigenes Wohnhaus in der Hauptburg. Das Zeughaus, in dem Kriegsgeraet gelagert wurde, befand sich auch im Innnenhof. Meist hatte die Burg sogar eine eigene Kapelle.
Das wichtigste Gebaeude in der Hauptburg aber war der Bergfried, in Westfrankreich auch Donjon und in England Keep geheissen. Er war der letzte Zufluchtsort der Burg. Selbst wenn der Feind schon im Innenhof stand, konnte der Bergfried noch weiter verteidigt werden. Er war mit keinem anderem Gebaeude der Burg verbunden und konnte nur durch einen Eingang, hoch ueber dem Erdboden, mit einer Leiter erreicht werden. Der Bergfried war das hoechste Gebaeude der Burg. Er war praktisch eine kleine Burg fuer sich.
Als letztes befand sich noch der lebenswichtige Burgbrunnen oder eine Zisterne in der Hauptburg.
Der Hauptburg war die Vorburg vorgelagert, welche ebenfalls durch eine Ringmauer geschuetzt war. Die Vorburg besass Getreidespeicher, Stallungen und andere Wirtschaftsgebaeude. Viele Burgen hatten auch ihre eigene Schmiede. Zuletzt wurde die Burg noch von einem breiten Graben umgeben.
Die Schwachstelle jeder Burg war der Eingang. Desshalb war dieser durch ein Torhaus verstaerkt. Das Tor selbst konnte durch eine Zugbruecke, ein Fallgatter und durch eine eisenverstaerkte Doppeltuer verriegelt werden. Um einen Angreifer den direkten Weg von der Vorburg zum Tor der Hauptburg zu versperren, hatten viele Burgen noch weitere Verteidigungsanlagen.
Waehrend der Zeit der Kreuzzuege wurden die europaeischen Burgen durch den Einfluss der Festen des Morgenlandes immer groesser und durch weitere Verteidigungsanlagen verstaerkt. Die mittelalterlichen Ritterburgen gewannen aus diesen Gruenden zwar ein wenig an militaerischer Bedeutung, hauptsaechlich waren sie aber Wohnsitze des Adels und Zufluchsstaetten fuer die Bevoelkerung im Kriegsfall.
Im Schutze einer Burg entstanden oft Ansiedlungen, von welchen viele in letzter Zeit zu bedeutenden Staedten geworden sind. So zum Beispiel Ravensburg in der Naehe des Bodensees.
lg Silvia
(Quelle:gzg.fn.bw.schule.de):reine luft:
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