Mal ein Beispiel für die Musik in der Gotik
Guillaume de Machaut
Am Beispiel eines der interessantesten Werke der gotischen Musik, der „Messe de Nostre Dame“, die der französische Komponist Guillaume de Machaut im Jahr 1364 anlässlich der Krönung des französischen Königs Karl V. für die Kathedrale in Reims komponierte, können Hintergründe zu Funktion und Bedeutung der Musik in der Gotik vermittelt werden.
Der Universalist Machaut war eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Nach einer Ausbildung als Kleriker wurde er im Jahr 1323 Sekretär des Herzogs und Böhmischen Königs Johann von Luxemburg. Er wirkte in der Kathedrale in Reims als Chorherr, nachdem er wegen seiner diplomatischen Tätigkeit reich belohnt wurde,
Hier fand er Zeit, sein umfangreiches dichterisches und kompositorisches Werk zu erarbeiten. Er schuf viele weltliche Lieder und Motetten. Nach unserem heutigen Wissensstand begann mit seinem einzigen sakralen Werk, der „Messe de Nostre Dame“ die kompositorische Vertonung von Messordinarien überhaupt.
Guillaume de Machaut (ca. 1300 – 1477). Er ist geboren in Machault, einem Dorf in den Ardennen, als Sohn einer nichtadeligen Familie, die aber offenbar wohlhabend genug war, um ihm eine gute Bildung zu ermöglichen.
Machaut war vor allem ein sehr produktiver Lyriker, von dem 235 Balladen, 76 Rondeaus und rd. 100 andere lyrische Texte erhalten sind. Er war übrigens einer der letzten, der seine Gedichte durchweg vertont hat. Er ist interessant aber auch als Verfasser von Le voir dit (= die wahre Dichtung), einer 1362 verfassten Geschichte der bewundernden Liebe der jungen Péronne d'Armentières zu dem schon alternden Dichter, die als erster autobiografischer Liebesroman der franz. Literatur gilt.
Machaut war, nach Studien an der Domschule von Reims, ca. 1323 an den Hof von Herzog Johann von Luxemburg gekommen, der zugleich König von Böhmen, Mähren und Schlesien war und ihn als Sekretär auf seinen vielen Reisen durch seine Territorien und auf zahlreichen Kriegszügen mitnahm, ihm aber auch eine einträgliche Domherren-Pfründe im Domkapitel von Reims verschaffte. Als 1346 Johann in der englisch-französischen Schlacht von Crécy ums Leben kommt (wo er an der Seite von König Jean le Bon, seines Schwiegersohns, kämpft), tritt Machaut in die Dienste seiner Tochter Gutha alias Bonne von Luxemburg. Nach deren frühen Tod (1349) ist er als Dichter renommiert genug, um keine feste Stellung mehr zu brauchen. Vielmehr schließt er sich wechselnden fürstlichen Mäzenen an, z.B. dem Dauphin (Kronprinz) und späteren König Charles V. oder dessen kunstliebendem Bruder Herzog Jean de Berry († 1416), denen er seine Werke widmet Ó natürlich gegen Entgelt, aber auch um eine gute Verbreitung zu erzielen. Machaut ist somit vor allem ein Dichter im Umfeld von Höfen.
Die im vorangehenden 13. Jh. starke kulturelle Rolle der reichen Stadtbürger (Patrizier), war zu dieser Zeit auch stark gemindert dadurch, dass die Städte aufgrund des enormen Bevölkerungsrückgangs verarmten, der ab 1337 in Frankreich durch die ersten Phasen des Hundertjährigen Krieges und dann 1348–50 in ganz Europa durch die Große Pest verursacht wurde, bei der weit mehr als die Hälfte aller Europäer starben, und zwar vor allem in den Städten wegen der dort größeren Ansteckungsgefahr.
nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
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