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sigurd sigurd ist männlich
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Germania Superior und Germania inferior Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Germania Superior („Obergermanien“) war eine römische Provinz, die spätestens ab dem Jahr 90 bis zum Ende des 3. Jahrhunderts bestand. Sie umfasste Teile der heutigen Schweiz, Frankreichs und des südwestlichen Deutschlands (insbesondere das Dekumatland). Die Provinz grenzte im Norden an die Germania Inferior („Niedergermanien“, später Germania Secunda), im Westen an Gallia Belgica und Gallia Lugdunensis, im Südwesten an die Gallia Narbonensis und im Südosten an Raetia. Östlich der Provinz lag das „freie“ Germanien. Der Statthaltersitz der Provinz befand sich in Mogontiacum, dem heutigen Mainz.
Mit den augusteischen Feldzügen ab 13/12 v. Chr. gelangten die linksrheinischen Gebiete unter römische Kontrolle. Bis zur Gründung der Provinz, die spätestens im Jahr 90 abgeschlossen war,[1] wurde das Gebiet militärisch verwaltet (exercitus superior). Vor allem im 2. Jahrhundert kam es durch rechtsrheinische Gebietserweiterungen und ein Vorschieben des Limes zu bedeutenden Vergrößerungen der Provinz, die mit einer Fläche von insgesamt 93.500 km² zu den mittelgroßen Provinzen des römischen Imperiums gehörte.
Aufgrund der Lage an der Grenze des römischen Reichs waren hier zahlreiche römische Truppenverbände stationiert. Legionen waren in Mainz/Mogontiacum, Straßburg/Argentorate und zeitweise Windisch/Vindonissa stationiert, außerdem viele Hilfstruppen am obergermanischen Limes.
Neben die anfangs dominierende militärische Komponente trat in der friedlichen Zeit vom späten 1. bis zum frühen 3. Jahrhundert eine zivile: Eine Strukturierung in civitates (Einzahl civitas: Hauptorte mit einem zugehörigen [Stammes-]Gebiet) erfolgte. Links des Rheins stellen diese Hauptorte wie Speyer/Noviomagus und Worms/Borbetomagus die ältesten deutschen Städte dar. Im rechtsrheinischen Gebiet bestand diese Kontinuität weniger, da hier die römische Herrschaft nur bis in das 3. Jahrhundert währte. Einige Civitas-Hauptorte wie Nida (heute: Frankfurt-Heddernheim) waren deswegen nicht bis in das Mittelalter kontinuierlich besiedelt, während in anderen Hauptorten wie Dieburg, Wiesbaden oder Ladenburg eine Siedlungskontinuität (wenngleich unter einfacheren Umständen) wahrscheinlich ist.
Neben den Hauptorten, den militärischen Lagern und den kleineren zivilen Siedlungen (vici, Einzahl: vicus) wie Alzey/Altiaia und Eisenberg, gab es zahlreiche römische Landgüter (villae rusticae), von denen einige einen beträchtlichen Luxus aufwiesen. Beispielhaft kann dies etwa im Römischen Freilichtmuseum Hechingen-Stein besichtigt werden. Die Provinz profitierte von der Anwesenheit des römischen Heeres, da die kaiserlichen Soldaten über eine erhebliche Kaufkraft verfügten und die Truppen zudem überwiegend von der regionalen agrarischen Produktion abhängig waren; für diese waren vornehmlich die villae rusticae zuständig. Jenseits der römischen Städte und Landgüter blieb die alte germanische Bevölkerung meist ansässig, im Dekumatland, in das zahlreiche Einwanderer strömten, lebte eine keltisch-germanische Mischbevölkerung.
Die folgenden obergermanischen civitates sind derzeit bekannt:

Ladenburg
Die Erstbesiedlung des Ortes erfolgte irgendwann zwischen 3000 und 200 v. Chr. Ladenburg bestand zunächst als keltische Siedlung Lokudunom (= „Seeburg“). 200 v. Chr. wurde der keltische Gaumittelpunkt vom Heiligenberg bei Heidelberg nach Ladenburg verlegt. Im Jahr 40 wurden suebische Elbgermanen von den Römern als Bauernmiliz angesiedelt. In den römischen Quellen werden sie Suebi Nicrenses („Neckarsueben“) genannt. 74 n. Chr. gründeten die Römer dort Auxiliarkastelle mit einem Lagerdorf (vicus), die Keimzelle der späteren Stadt. Zur Garnison zählte eine Auxilien-Reiterabteilung der Cananefaten.
Im Jahr 98 erhob Kaiser Trajan die Siedlung Lopodunum zur civitas und zum Hauptort der Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium; nach dem Gentilnamen des Kaisers - Ulpius - erhielt der Ort den Beinamen Ulpia. Die Siedlung erlebte im zweiten und frühen dritten Jahrhundert ihre Blüte, worauf auch zahlreiche archäologische Funde hinweisen.
220 besaß die Römerstadt ein Forum mit Marktbasilika, einen Wochenmarkt, Tempel, ein Schauspieltheater, Thermen, Paläste und eine Stadtmauer. Die ummauerte Fläche betrug rund 32 Hektar, Streufunde belegen sogar eine Siedlungsfläche von rund 45 Hektar. Damit war Ladenburg vor Rottenburg, Bad Cannstatt, Bad Wimpfen, Heidenheim, Rottweil und Heidelberg die größte römische Stadt im heutigen Baden-Württemberg.
Um 260 zerstörten Alamannen die Stadt. Einige Römer blieben aber und tradierten den römischen Ortsnamen. Kaiser Valentinian I. nahm 369 die Stadt ein und ließ einen Burgus, eine Hafenbefestigung, errichten, der nur vom Neckar aus betreten werden konnte. Mitte des 5. Jahrhunderts endete die römische Herrschaft im Raum Ladenburg dann endgültig.
Wimpfen (Bad Wimpfen)
Erste Siedlungsspuren auf der Gemarkung der heutigen Stadt Bad Wimpfen sind für die jüngere Steinzeit und die Bronzezeit nachgewiesen. Eine alte Völkerstraße, die von Frankreich kommt, gabelt sich hier längs der Jagst in Richtung Nürnberg und über Öhringen zur Donau und wurde schon in vorgeschichtlicher Zeit begangen, was durch zahlreiche Funde dokumentiert wird.
Um 450 v. Chr. siedelten Kelten vom Stamm der Helvetier an Neckar, Kocher und Jagst im Raum Bad Wimpfen, auch die Neckarschwaben (Suebi Nicreti) werden von römischen Quellen nachgewiesen. Die Kelten gaben vermutlich den genannten Flüssen und der Siedlung Wimpfen ihre Namen. Wimpfen könnte nach dem deutsch-keltischen Wörterbuch von Obermüller (1872) eine keltische Wortschöpfung aus uimpe (umwallt) und bin (Berg) sein und in etwa Wall am Berg bedeuten.
Vermutlich im Jahre 98 n. Chr. sicherten die Römer das unter Kaiser Domitian eroberte Gebiet in Südwestdeutschland (das so genannte Dekumatland) durch den Neckar-Odenwald-Limes, ein System von Kastellen, die im Abstand von 12 bis 15 Kilometern angelegt wurden. Gegenüber der Jagstmündung entstand so das Kastell Wimpfen im Tal. Wie bei den meisten Kastellen bildete sich bald eine umgebende zivile Siedlung, in der sich vor allem Händler und Handwerker ansiedelten.
Nach der Verlegung der Reichsgrenze zum Limes bei Jagsthausen unter Kaiser Antoninus Pius (138–161), vermutlich im Jahre 159, verlor das Kastell seine militärische Bedeutung.
Umso bedeutender war das römische Wimpfen im Tal als zivile Stadt. Es wurde Hauptort eines römischen Verwaltungsbezirks namens Civitas Alisinensium und als eine von wenigen Römerstädten im heutigen Süddeutschland mit einer Stadtmauer und einem Graben geschützt. Die ummauerte Fläche betrug etwa 19 Hektar, damit gehörte Wimpfen zu den größten Römerstädten im heutigen Baden-Württemberg. Trotz dieser Bedeutung ist der lateinische Name von Wimpfen bis heute unbekannt.
Außerdem bestand hier eine hölzerne Brücke über den Neckar, die erst im frühen Mittelalter durch Eisgang zerstört worden sein soll. Durch einen Eichenbalken, der 1957 bei Baggerarbeiten aus dem Neckar geborgen worden war und sich bei näherer Betrachtung als Teil der alten Brücke erwies, konnte ihr römischer Ursprung mittlerweile zweifelsfrei nachgewiesen werden, denn die dendrochronologische Untersuchung ergab etwa das Jahr 85. Die Neckarbrücken bilden bis in die Gegenwart im dicht besiedelten Neckartal wichtige Verkehrsknotenpunkte. Nach dem Abzug der Römer beherrschten die Alamannen ab dem Jahre 259/260 n. Chr. das Neckarbecken.
(Bad ) Cannstatt
Bereits in der letzten Eiszeit wurde die Gegend um den Seelberg von Mammutjägern als Lagerstätte genutzt, wie Funde im Travertinsteinbruch an der heutigen Seelbergstraße ergaben. Der Steinbruch wurde bereits im 18. Jahrhundert ausgebeutet. Heute befindet sich dort ein modernes Einkaufszentrum. In Vorrömischer Zeit gab es auf dem Hallschlag auf dem Gelände der Reiterkaserne eine keltische Siedlung, deren Name nicht überliefert ist.
In römischer Zeit war Cannstatt eine bedeutende Stadt, vermutlich sogar der Hauptort einer Civitas („Regierungsbezirk“). Die Gegend kam um das Jahr 90 unter römische Herrschaft. Wurde früher das Jahr 85 n. Chr. als Gründungszeitpunkt vermutet, so gibt es in der neueren Literatur seit den 1990er Jahren Ansätze, eher das Jahr 98 n. Chr. als Beginn der römischen Präsenz in diesem Raum anzunehmen. Die Diskussion ist aber noch nicht abgeschlossen.
In Cannstatt errichten die Römer auf der Altenburg im Cannstatter Stadtteil Hallschlag ein Reiterkastell („Alenkastell“, vgl. Ala). Hier lag mit der Ala I Scubulorum eine der stärksten römischen Militäreinheiten zwischen den römischen Legionslagern Mainz und Augsburg. Das Kastell bestand bis zur Vorverlegung des Neckar-Odenwald-Limes um rund 30 Kilometer nach Osten, wahrscheinlich im Jahre 159 n. Chr. Auch als Zivilsiedlung war das römische Cannstatt sehr bedeutend. Streufunde belegen eine Größe von mindestens 19, wenn nicht 30 Hektar. Damit war Cannstatt eine der größten römischen Städte im heutigen Baden-Württemberg nach Ladenburg und Rottenburg, etwa gleichauf mit Wimpfen, Rottweil und Heidenheim an der Brenz. Allerdings sind römische Großbauten (Wasserleitungen, Thermen, Theater, Stadtmauer, Forumsbauten o. ä.) bis heute nicht nachgewiesen. Das Ende des römischen Cannstatt kam mit dem großen Alemanneneinfall von 259/260 n. Chr. Der lateinische Name der Stadt ist unbekannt.
Rottenburg am Neckar
Rottenburg liegt in einer seit vorgeschichtlicher Zeit dicht besiedelten Region (siehe Ur- und Frühgeschichte zwischen Alpen und Maingebiet). In den vergangenen Jahren wurden Grabungen in Fundstellen des Mesolithikum (in Siebenlinden), des Neolithikums und der Hallstattzeit durchgeführt.
Vermutlich im Jahre 98 n. Chr. mit der Errichtung des Neckar-Odenwald-Limes unter Trajan kam das Gebiet um Rottenburg unter römische Herrschaft. Die Datierung dieser Eroberung auf die Chattenkriege Domitians in den Jahren 83 und 85 gilt heute als überholt, auch wenn das Gebiet wohl bereits seit dem Bau der Kinzigtalstraße im Jahre 73/74 unter römischem Einfluss stand (vgl. Alblimes, Kaiser Vespasian).
Das genaue Gründungsjahr der römischen Siedlung Sumelocenna ist unbekannt, eine Gründung im Jahre 98 gilt – analog zur Gründung Rottweils im Jahre 73 – als plausibel. Sumelocenna lag an der römischen Fernstraße Cannstatt – Rottweil (Arae Flaviae) – Hüfingen (Brigobanne) – Schleitheim (Iuliomagus) – Windisch/CH (Vindonissa). Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde Sumelocenna Hauptort einer Civitas. Diese Gebietskörperschaft ist in ihrer Bedeutung ungefähr mit einem Regierungsbezirk vergleichbar und umfasste im Falle von Rottenburg wohl das gesamte mittlere Neckarland. Der Name Sumelocenna stammt übrigens aus dem Keltischen. Vermutlich bedeutete er „Die Leute des Sumelo“, einer damaligen keltischen Sippe.
Sumelocenna gehörte zu den bedeutendsten Römerstädten im heutigen Baden-Württemberg. Das römische Sumelocenna wurde über eine 7 km lange Wasserleitung mit Quellwasser aus dem Rommelstal versorgt. Im Stadtgebiet gab es mehrere öffentliche Bäder. Im späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert nach Christus wurde die Stadt zum Schutz gegen Angriffe der Alemannen und anderer germanischer Stämme ummauert. Nur in zwei weiteren Städten in Südwestdeutschland ist eine römische Stadtmauer belegt, nämlich in Ladenburg (Lopodunum) und in Bad Wimpfen im Tal. Die ummauerte Fläche umfasste in Rottenburg wie in Ladenburg rund 32 Hektar, in Bad Wimpfen waren es ca. 19 Hektar
Nach dem Sturm der Alamannen auf den Limes im Jahre 259/260 n. Chr. ging das römische Sumelocenna unter.
Rottweil
Rottweil wurde im Jahre 73 n. Chr. von den Römern unter Kaiser Vespasian im Zuge des Baus der römischen Kinzigtalstraße gegründet und ist damit die älteste Stadt Baden-Württembergs. Der lateinische Name der Stadt war Arae Flaviae („Altäre der Flavier“). Das römische Rottweil war Hauptort einer Civitas und hatte – offenbar als einzige römische Stadt im heutigen Baden-Württemberg – die Rechtsstellung eines Municipiums inne. Mit einer Fläche von rund 18 Hektar war Arae Flaviae in Hinblick auf seine Ausdehnung eine der größten römischen Städte in Süddeutschland bzw. im Dekumatland, repräsentative Bauten prägten das Stadtbild. Da es sich aber um eine "politische" Gründung handelte und der Ort seit dem Vorschieben der Grenze unter Kaiser Domitian bereits um 90 n. Chr. an wenig attraktiver Stelle im Hinterland lag, scheint sich die Stadt in den folgenden knapp zwei Jahrhunderten nur noch wenig weiter entwickelt zu haben. Das Stadtgebiet war offenbar niemals vollständig bebaut, die Zahl der Einwohner blieb wohl relativ gering.
Erst im Jahre 1950 wurde das antike Arae Flaviae, dessen Name durch die so genannte Peutingertafel (Tabula Peutingeriana) und bei Claudius Ptolemäus überliefert ist, durch einen außergewöhnlichen Inschriftenfund sicher mit Rottweil identifiziert: Auf der hölzernen Tafel eines römischen Militärdiploms aus dem späten 2. Jahrhundert waren die Worte acto municipio aris – zu Deutsch: „ausgestellt in der Stadt Arae“ – zu lesen.
Nachdem die Römer um 260 n. Chr. die Kontrolle über die Gegend an die Alemannen verloren hatten, ging die römische Stadt unter, offenbar existierte aber eine deutlich reduzierte Siedlung weiter - mit dem Verschwinden der römischen Bewohner verlor sich aber auch der lateinische Namen des Ortes.
Baden-Baden
Erste Spuren der Besiedlung des Oostals finden sich aus der Mittelsteinzeit um 8000 bis 4000 v. Chr., Grabfunde in der Rheinebene und im Übergang zum Schwarzwald sind auch für die nachfolgenden Epochen der Stein- und der Bronzezeit belegt. Auf dem Battert finden sich noch Überreste eines keltischen Ringwalls. Doch vor allem mit den Römern, die die bis zu 68 Grad Celsius heißen Thermalquellen schätzten, kam Baden-Baden (damals wie viele Städte mit Heilquellen Aquae genannt) zu seiner Bedeutung. Um 80 n. Chr. gründeten sie im heutigen Gebiet der Altstadt eine Siedlung und errichteten mehrere Bäder. Um 260 n. Chr. eroberten die Alamannen die Gegend.
Worms
Das Stadtgebiet wurde erstmals in der Jungsteinzeit (Neolithikum) etwa um 5000 v. Chr. von Ackerbauern und Viehzüchtern besiedelt.
Auf der unscheinbaren Anhöhe Adlerberg am Rhein im Süden von Worms wurden von 1896 bis 1951 insgesamt 25 Gräber aus verschiedenen Zeiten entdeckt. Davon stammen nach heutiger Kenntnis acht Gräber von der Adlerbergkultur (etwa 2300/2200-1800 v. Chr.) aus der Frühbronzezeit. Um die Erforschung dieser Funde hat sich der Wormser Arzt Karl Koehl verdient gemacht, auf den der Begriff „Adlerbergkultur“ zurückgeht.[7]
Der älteste überlieferte Ortsname ist keltischen Ursprungs, und blieb in dem lateinischen Namen der Stadt, Borbetomagus, was soviel wie „Feld am Borbeta“ bedeutet, erhalten. In der latinisierten Endung -magus hat sich das keltische Wort für Feld, Wiese, Ebene, erhalten.[8] Worms wurde Hauptort des halbautonomem Verwaltungsbezirks (lat. Civitas) Civitas Vangionum. Dieser war nach dem hier seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert ansässigen Stamm der Vangionen benannt. Vangionen nannten sich die Wormser noch bis in das 16. Jahrhundert.
Speyer
Zahlreiche Funde aus der Jungsteinzeit, Bronzezeit, Hallstattzeit und Latènezeit lassen darauf schließen, dass die Terrassen in Speyer, insbesondere die Niederterrassenzunge in unmittelbarer Rheinnähe, schon immer interessante Siedlungsorte darstellten. [2] Im zweiten vorchristlichen Jahrtausend war die Gegend von Speyer Siedlungsgebiet der keltischen Mediomatriker. Nach der Unterwerfung Galliens durch die Römer 50 v. Chr. wurde der Rhein, auch wenn das Gebiet noch außerhalb des militärischen Geschehens lag, Teil der Grenze des Römischen Reiches. 10 v. Chr. wurde ein Lager vermutlich für eine 500 Mann starke Infanterietruppe errichtet. Dieser römische Militärposten wurde zum Impuls für die Stadtbildung. Um 150 erschien die Stadt unter dem keltischen Namen Noviomagus (Neufeld) in der Weltkarte des Griechen Ptolemaios; der gleiche Name steht im Itinerarium Antonini, einem Reisehandbuch des Antonius aus der Zeit Caracallas (211–217) und auf der Tabula Peutingeriana, einer Straßenkarte aus dem 3. Jahrhundert. Ab 260 konnten die ständigen Angriffe der Alamannen im Rahmen der Völkerwanderung auf den Limes nicht mehr abgewehrt werden, die römische Reichsgrenze musste an den Rhein zurückgezogen werden, und Speyer wurde wieder zur Grenzstadt. Für das 4. Jahrhundert ist ein erster Speyerer Bischof belegt; das Bistum ging vermutlich während der Völkerwanderungszeit unter. Im Jahre 406 setzen Sueben, Vandalen und sarmatische Alanen auf Druck nachrückender Hunnen über den Rhein und überrannten auf ihrem Weg ins innere Gallien auch Speyer. Ein reich ausgestattetes Fürstengrab im rechtsrheinischen Altlußheim, etwa 4 km von Speyer, bezeugt die Anwesenheit von Hunnen. In einer Schlacht 496/497 bei Zülpich und einer weiteren Schlacht 506 besiegten die Franken unter Chlodwig die Alamannen und Speyer wurde teil des fränkischen Königreiches.
Wiesbaden
Die Geschichte von Wiesbaden beginnt in der Antike. Schon den Römern waren die heißen Quellen der Stadt bekannt, in deren Nähe sie um 6 bis 15 nach Christus eine Befestigung errichteten. Die Quellen wurden erstmals 77 nach Christus im Werk Naturalis historia von Plinius dem Älteren beschrieben. Es entstand eine römische Siedlung mit dem Namen Aquae Mattiacorum. Die Siedlung war der Hauptort des römischen Verwaltungsbezirks Civitas Mattiacorum in der Provinz Germania Superior.
Frankfurt-Heddernheim

Zahlreiche Werkzeugfunde aus der jüngeren Steinzeit (Neolithikum) belegen demnach, dass die Siedlungsgeschichte von Heddernheim mindestens bis in die Zeit vor 4000 bis 6000 Jahren zurück reicht. Auf dem fruchtbaren Lössboden des Niddahanges, der während der Eiszeiten von Norden her über den Taunuskamm hinweg angeweht worden war, bebaute eine einheitliche Bevölkerung die Ackerfluren. Fundstücke aus dieser Bandkeramischen Kultur werden noch immer nach dem Pflügen der Felder entdeckt. In der Gemarkung Praunheim, in der Nähe des heutigen Nordwest-Krankenhauses, wurde vor dem Zweiten Weltkrieg sogar ein großes neolithisches Dorf ausgegraben, das mindestens 500 Meter lang und 200 Meter breit war. Bei Bauarbeiten am Wenzelweg 8 wurde 1993 beispielsweise erstmals eine Besiedelung während der La-Tène-Zeit nachgewiesen, 1995 wurden In den Wingerten 4 einige Scherben aus der Hallstattzeit geborgen.
Auch in römischer Zeit war das Gebiet von Heddernheim wegen seiner Nähe zur Nidda und der verkehrsgünstigen Lage zwischen Mainz und der Wetterau besiedelt. Archäologisch nachgewiesen sind unter anderem mindestens zehn meist nur kurzzeitig genutzte Militärlager aus der Zeit um das Jahr 75 hin. Kurz darauf, ebenfalls in der Zeit der Regierung von Kaiser Vespasian (69 – 79), errichtete eine Reitereinheit ein Kastell, vor dessen Befestigungen bald auch ein ausgedehntes Lagerdorf entstand.
Angelehnt an den Flussnamen erhielt der neue Standort von Auxiliartruppen den Namen Nida. Der Ort wuchs zu einer zivilen Siedlung (Munizipalstadt) heran, und wurde nach dem Abzug der Truppen an den Limes um 110 n. Chr. Hauptort der Civitas Taunensium. Der Straßenzug In der Römerstadt / Heerstraße folgt noch heute im wesentlichen dem Verlauf einer gepflasterten, schnurgeraden Militärstraße aus römischer Zeit, die von Mainz zum Westtor des Kastells führte. In Höhe der Häuser In der Römerstadt 145 bis 165 sind – nur wenige Meter vom heutigen Gehsteig entfernt – Pflastersteine und Keller aus dieser Epoche erhalten geblieben.
Die römische Epoche dauerte bis um 260, als die Römer von den Germanen (Alamannen) verdrängt wurden. Die Mauern der Ruinen aus römischer Zeit waren noch im 15. Jahrhundert weithin sichtbar, danach wurden sie in Heddernheim und Praunheim als Baumaterial wiederverwendet. Das Gelände der ehemaligen Römersiedlung blieb mit Ausnahme der Nesselbuschstraße bis zum Bau der „Römerstadt“ weitgehend unbesiedelt. Die Straße „Im Heidenfeld“ gibt die Bezeichnung wieder, die früher für das gesamte agrarwirtschaftlich genutzte Gebiet galt.
Dieburg
In der auslaufenden Eisenzeit siedelte im Gebiet um die Stadt der Stamm der Auderiensier. Die fruchtbare Dieburger Bucht wurde dann in den Jahren von 85–90 n. Chr. in die Provinz Obergermanien des Römischen Reiches eingegliedert. Etwa um 125 n. Chr. wurde im Bereich des heutigen Südhessen die Civitas Auderiensium gegründet, deren Hauptort MED... (Name nur unvollständig überliefert) wurde. Diese neuangelegte, stadtähnliche Siedlung lag auf dem Gebiet des heutigen Dieburgs, ihr Forum befand sich im Kreuzungsbereich Frankfurter- /Aschaffenburger Straße. Zahlreiche Kultgegenstände, darunter ein bedeutendes Zeugnis des Mithraskultes, konnten ergraben werden und sind heute im Stadtmuseum zu sehen.
In der Zeit um 200 blühte die Siedlung auf. Das römische Dieburg war ein Vicus, allerdings mit städtischem Charakter. In der für Landwirtschaft gut geeigneten Umgebung entstanden zahlreiche Villae Rusticae, die als Wirtschaftsgüter MED... und die Truppen am nahem Limes versorgten.
Im Laufe des 3. Jahrhunderts häuften sich allerdings Raubüberfälle der Alamannen aus dem Gebiet außerhalb des Limes. Obwohl der Ort, der die spätere mittelalterliche Stadt in seiner Fläche weit übertraf, mit einer Stadtmauer gesichert wurde, konnte nicht verhindert werden, dass sich das Römische Reich ab 260 n. Chr. auf linksrheinische Gebiete Germaniens zurückziehen musste. Das Schicksal der Stadt bis zum frühen Mittelalter liegt im Dunkeln. Eine Kontinuität der Besiedlung ist aber, wenn auch in weit einfacherem Rahmen als zuvor, sehr wahrscheinlich. Münzfunde und Bebauungsspuren deuten darauf hin. So liegt die heutige Wallfahrtskirche im westlichen Bereich des römischen Forums, ihr Grundriss wird durch römische Vorgängerbauten bestimmt. Vermutlich vermischte sich der zurückbleibende Teil der römischen Bevölkerung, der hauptsächlich germanischen und keltischen Ursprungs war, mit den hinzuströmenden Alamannen, die eventuell als Föderaten im Vorfeld des römischen Mainz (Mogontiacum) noch regen Handel mit dem Imperium trieben.
Zu welcher civitas die Provinzhauptstadt Mainz (lateinisch Mogontiacum) gehörte, ist bislang unbekannt. Es wird darüber spekuliert, ob die im Umfeld siedelnden Aresaken (ein Teilstamm der Treverer) eine eigenständige civitas bildeten, oder ob das Gebiet um Mainz unter militärischer Verwaltung war und damit direkt dem Statthalter unterstand. Wie die Gebiete im nördlichsten Teil der Germania Superior – dem Bereich um Confluentes (Koblenz) – verwaltungstechnisch gegliedert waren, ist ebenfalls unbekannt.
Zwischen 260 und 280 wurde das Dekumatland von den römischen Truppen geräumt und die militärische Grenze an Rhein und Donau zurückverlegt. Unter Kaiser Diokletian wurde in der Spätantike nach 297 die Provinz Germania Superior in die Germania Prima im Norden und die Maxima Sequanorum im Süden geteilt und der Diözese Gallien mit der Kaiserstadt Trier (Augusta Treverorum) unterstellt. Kaiser Valentinian I. ließ die Grenze der Provinz um 370 aufwändig durch Festungen sichern.
406 überschritten germanische Angreifer im Zuge der Völkerwanderung den Rhein und plünderten mehrere römische Städte. Im frühen 5. Jahrhundert kontrollierten zunächst Burgunden (411–434) als foederati gemeinsam mit weströmischen Einheiten das Gebiet, nach etwa 455 traten dann Alamannen und schließlich, nach der Schlacht von Zülpich (496), die merowingischen Franken die Nachfolge der römischen Herrschaft am Rhein an.
Germania Inferior

Germania Inferior („Niedergermanien“) war eine römische Provinz. Sie umfasste die westlich des Rheins gelegenen Teile der heutigen Niederlande und Westdeutschlands, sowie Teile von Belgien. Ursprünglich, seit Augustus, war dieses Gebiet ein Heeresbezirk, der verwaltungstechnisch zu Gallien gehörte. Die Provinz wurde um 85 bis 90 n. Chr. eingerichtet. Ihre Hauptstadt war Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln.
Das römische Heer in der Provinz nannte sich Exercitus Germaniae Inferioris (etwa „Streitkräfte Niedergermaniens“ und auf Inschriften abgekürzt zu EXGERINF) und bestand aus mehreren (bis zu vier) Legionen und Auxiliartruppen.
Germania Inferior war die nördliche Nachbarprovinz von Germania Superior (Obergermanien) und Belgica.
Zu ersten Begegnungen zwischen römischen Truppen und gallischen beziehungsweise germanischen Stämmen im Gebiet der späteren Provinz kam es um 50 v. Chr. während des Gallienfeldzuges von Gaius Iulius Caesar.’
Eine dauernde römische Militärpräsenz begann mit den Feldzügen des Drusus ab 12 v. Chr. Nachdem die Feldzüge im rechtsrheinischen Germanien, zuletzt unter Führung des Germanicus, eingestellt wurden, blieben vier Legionen in festen Lagern stationiert: zwei Legionen in Xanten/Vetera sowie jeweils eine Legion in Neuss und Bonn.
Im Jahr 69 wurde das spätere Germania Inferior vom Aufstand der Bataver erschüttert. Dabei wurde unter anderem das Legionslager Vetera in der Nähe des heutigen Xantens vernichtet. Auch in der Folgezeit kam es zu Überfällen germanischer Stämme auf römische Militärlager und zivile Siedlungen in Germania inferior. So wurde die damals zweitwichtigste Stadt der Provinz, die Siedlung Colonia Ulpia Traiana (ebenfalls nahe dem heutigen Xanten), im Jahr 275 durch Germanen zu weiten Teilen zerstört, so wie auch das Kastell Vetera II, das als Ersatz für das zerstörte Vetera I errichtet worden war, vernichtet wurde. Um 400 brach die Provinz unter dem Ansturm germanischer Stämme im Zuge der Völkerwanderung zusammen.
Die Liste der römischen vici in Niedergermanien benennt die bekannten römischen Siedlungen (vici) in Niedergermanien und unterscheidet hierbei die römischen Lagervorstädte (canabae legionis), vici an Straßen (an Verkehrsknotenpunkten), vici an Heiligtümern oder Bädern (Tempel und Thermalquellen) und die gewerblichen Siedlungen (Rohstoffgewinnung, Handwerk). Sie lagen im Hinterland des Niedergermanischen Limes.
Die drei Säulen des römischen Siedlungssystems waren
• die Städte, also coloniae oder municipia
• die Landgüter villae rusticae
• die Siedlungen vici
Die Siedlungen bestanden zum Teil in Kontinuität fort. Sie befinden sich heute auf deutschem, niederländischem und belgischem Gebiet.

Bekannte Citvitas :
Alphen aan den Rijn
Albaniana

Arnheim (Meinerswijk)
Castra Herculis

Baerl
?
Bodegraven
?
Bonn
Castra Bonnensia/Vicus bonnensis

Dormagen
Durnomagus

Driel
?
Herwen
Carvium

Kalkar
Burginatium

Katwijk
Lugdunum

Kesteren
Carvo

Köln-Alteburg
?
Krefeld-Gellep
Gelduba

Loowaard (Duiven)
?
Maurik
Mannaricium

Moers-Asberg
Ascibvrivum

Monheim am Rhein Haus Bürgel
Burungum ?

Randwijk
?
Remagen
Rigomagus

Rindern
Harenatium

Roomburg
Matilo

Utrecht
Traiectum

Valkenburg
Praetorium Agrippinae

Vechten
Fectio

Vleuten
?
Wijk bij Duurstede
Levefanum

Woerden
Laurum

Zwammerdam
Nigrum Pullum

Straßenstationen:

Ahrweiler
?
Bad Münstereifel-Iversheim
?
Bitburg
Beda vicus

Bergheim-Elsdorf
?
Bergheim-Kerpen-Blatzheim
?
Bergheim-Nörvenich
Norboniacum

Bergheim-Thorr Tiberiacum
?
Blerick
Blariacum

Bonn
?
Cuijk
Ceuklum

Dilsen
Feresnis

Düren-Baesweiler
?
Düren-Mariaweiler Marcodurum
?
Elst
?
Euskirchen-Billig
Belgica vicus

Halder
?
Heel/Haelen
Catualinum

Heerlen
Coriovallum

Jülich
Iuliacum

Jünkerath
Icorigium

Köln-Worringen
?
Maastricht
Traiectum ad Mosam

Melick
Mederiacum

Mönchengladbach-Mülfort
?
Morbach - Wederath
Belginum

Nettersheim
Marcomagus

Ouddorp
?
Pont (Geldern)
Mediolanum (Germania)

Qualburg
Quadriburgium

Rheinbach-Flerzheim
?
Rimburg/NL
?
Rossum
Vada

Selfkant-Tüddern
Theudurum

Venlo
Blariacum

Viersen-Vorst
?
Wesseling
?
Wijchen
?
Zülpich
Tolbiacum

Bornheim-Sechtem
?


Heiligtümer/Bäder

Aachen
Aquae Granni
(Heilbad)

Aachen-Burtscheid
Porcetum
(Heilbad)

Bergheim-Fronhoven (Tempel)

Bedburg-Morken Rhein-Erft-Kreis Bergheim (Tempel) drei Altarsteine geweiht Matronae Vatviae

Bornheim-Sechtem (Tempel)

Colijnsplaat
Ganuenta ?
(Tempel)

Düren-Hoven (Tempel)

Domburg
(Tempel)

Kornelimünster
Varnenum
(Tempel)

Krefeld-Elfrath
(Tempel)
Nettersheim
(Tempel der Matronae Aufaniae)

Nettersheim-Pesch
(Tempel der Matronae Vacallinehae)

Nettersheim-Zingsheim
(Tempel der Matronae Fachinehae)

Rijsbergen
(Tempel)
Valkenburg Praetorium Agripinae
(Tempel)

Gewerbliche Siedlungen

Aachen-Schönforst
Gewerbesiedlung

Bad Neuenahr/Ahrweiler
Eisenschmelzersiedung

Bergheim-Gressenich
Crassiniacum
Bergbau

Kall-Keldenich
Bergbau

Nettersheim
Steinrütsch-römischer Werkplatz

Nettersheim
Marcomagus Römische Siedlung

Nettersheim-Engelgau
Römische Siedlung an der Ahekapelle

Sinzig
Töpferei

Stolberg-Breinigerberg
Knappensiedlung

Vettweiß-Soller
Töpferei
Wenau
Töpferei



ACHTUNG:
Die Bereiche der vici sind Bodendenkmale gemäß den Bestimmungen der jeweiligen Bundesländer bzw. den Denkmalschutzbestimmungen der Niederlande. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

__________________
Fürst Vladimir Monomachos (1113-25) Rat an seine Söhne:
"Vor allen Dingen vergiß nicht die Armen und unterstütze sie mit allem, was du hast. Gib den Waisen und schütze die Witwen, und erlaube keinem Mächtigen, Menschenschicksale zu zerstören."

Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von sigurd am 08.02.2010 02:26.

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16.01.2010 04:30 sigurd ist offline Email an sigurd senden Homepage von sigurd Beiträge von sigurd suchen Nehmen Sie sigurd in Ihre Freundesliste auf

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Als Magna Germania oder Germania Magna („großes Germanien“) wurde in der Antike der Rom bekannte, aber nur zeitweise besetzte Teil Germaniens rechts des Rheins und nördlich der Donau bezeichnet; eine moderne Bezeichnung für dieses Gebiet ist auch Barbaricum. Die römische Provinz Magna Germania, welche bis zur Varusschlacht als Teil des römischen Imperiums galt, wurde an ihrer östlichsten Ausdehnung von der Elbe begrenzt. Im südöstlichen Bereich stellte die Moldau, ein Nebenfluss der Elbe im heutigen Tschechien, die Provinzgrenze dar.(Quelle Wikipedia)

Zahlreiche Versuche des Römischen Reiches unter Augustus, dieses Gebiet über Lippe, Lahn und Werra zu erobern und als Römische Provinz dem Reich einzuverleiben, wurden in vielen Verteidigungsschlachten vereitelt. Für die systematischen Expansionsversuche Roms sprechen die durch Münzen des Varus datierte römische Städtegründung bei Waldgirmes (siehe Römisches Forum Lahnau-Waldgirmes mit dem Fund von Resten einer vergoldeten Reiterstatue), am Stadtrand von Wetzlar, die Römerlager von Haltern, Oberaden, Anreppen, Rödgen und Hedemünden sowie die Funde von Bentumersiel. Das römische Scheitern ermöglichte den in der Magna Germania lebenden Germanenstämmen eine bis zur Völkerwanderung vergleichsweise unbeeinflusste Kulturentwicklung, wenngleich in der Folgezeit auch zahlreiche Impulse aus dem römischen Raum in das germanische Grenzgebiet ausgingen. Nach gegenwärtigem Stand der Diskussion ist auch durchaus von einem überwiegend friedlichen römisch-germanischen Marktleben im Grenzgebiet östlich des Rheines und nördlich der Donau auszugehen.
Der bedeutendste der germanischen Verteidigungskämpfe war die Varusschlacht 9 n. Chr., in der der Cheruskerfürst Arminius mit seinem Heer drei römische Legionen unter dem Feldherren Publius Quinctilius Varus besiegte (20.000 Mann Verlust für die Römer). Als Schauplatz dieser Schlacht hatte bereits Theodor Mommsen die Gegend bei Kalkriese vorgeschlagen.[1] Die Lage des in den Quellen erwähnten, von den Römern nach der Varusschlacht vorübergehend behaupteten Aliso bleibt trotz der von Ptolemäus angegebenen geografischen Koordinaten ungewiss. Die vernichtende Niederlage in der Varusschlacht fand ihren Niederschlag in der zukünftigen römischen Militär- und Siedlungspolitik in diesem geografischen Raum und in der römischen Geschichtsschreibung. Römische Siedlungspolitik in Germanien fand danach nur noch diesseits oder in direkter Nähe (Taunus, Wetterau, Decumates agri) der Reichsgrenze an Rhein und Donau statt.
Im Jahr 2008 wurde im Kalefelder Ortsteil Wiershausen am Harz ein im Jahr 2000 entdeckter Fundort als antikes Schlachtfeld mit zahlreichen römischen Waffen und Ausrüstungsteilen aus dem 3. Jahrhundert identifiziert. Die im Dezember 2008 der Öffentlichkeit vorgestellten Funde weisen nach Medienberichten im Gegensatz zur bisherigen Auffassung auf weitaus intensivere und weiträumigere römische Militäraktivitäten östlich des Rheins auch nach dem Ende der römischen Operationen im Raum der Germania Magna, also nach 16 n. Chr. (Rückzug des Germanicus), hin.[2][3] Zwar war aufgrund schriftlicher Quellen seit langer Zeit bekannt, dass auch in der Folgezeit römische Militäroperationen in diesem Raum stattfanden; sollten sich die vorläufigen Fundbewertungen jedoch bestätigen, so wäre dies ein Beleg für diese Aussagen, zumal dann die Römer noch im 3. Jahrhundert wesentlich weiträumiger operiert hätten, als bisher angenommen.


In Germania Magna sind einige Standorte bekannt, die von den römischen Truppen über einen Zeitraum von bis zu mehreren Jahren genutzt wurden.:


Römerlager Holsterhausen
Als Römerlager Holsterhausen werden mindestens zehn teilweise überbaute römische Marschlager ohne feste Bauten im Dorstener Stadtteil Holsterhausen aus der Zeit zwischen 11 v. Chr. und 9 n. Chr. bezeichnet. Die in den letzten Jahren durchgeführte archäologische Flächengrabung war mit insgesamt 150.000 Quadratmetern Fläche die bislang größte in Westfalen. Die Lager boten Platz für ein bis zwei römische Legionen plus Auxiliartruppen mit ungefähr 5.000 bis 10.000 Soldaten.

Alle Lager befinden sich in unmittelbarer Nähe zur Lippe, die als Truppenversorgungsroute von Vetera (bei Xanten) aus diente. Die Lager waren nach Lage, Größe und Fundmaterial als Marschlager zwischen dem Lager Vetera I und den Römerlagern Oberaden und Haltern konzipiert. Sie wurden nur wenige Wochen bis Monate verwendet und bei der nächsten Nutzung neu angelegt.
Das erste, bereits 1952 gefundene Marschlager ist rund 900 × 650 Meter groß, also mit der Fläche von 56/57 ha und damit das "Große Lager" im Unterschied zu den westlich gelegenen, in der Fläche kleineren und 1999 - 2002 erforschten. Die Form ist ein Rechteck, in den Ecken abgerundet. Es liegt heute überbaut unter dem Ortskern von Holsterhausen. Spätere Grabungen 1970 und 1997 führten zu weiteren Erkenntnissen. Das Areal war von einem Spitzgraben umschlossen. Im Norden reicht es bis etwas über die Martin-Luther-Straße hinaus und im Westen bis zur Einmündung der Mühlenstraße in die Pliesterbecker Straße. Dort stand auch das westliche Haupttor. Feste Bauten fehlen völlig, wie auch bei den restlichen Marschlagern. Abfallgruben, niedergebrannte Hütten und eingetiefte Backöfen wurden gefunden. Das Marschlager ist größer als das Feldlager (34,5 ha) und älter als das Hauptlager von Haltern. Nach Größe und Zeit gehört es zum Drususfeldzug gegen die Sugamberer im Jahre 11 v.Chr.
Etwa 500 m südwestlich fand man dann am „Kreskenhof“ weitere römische 5 - 7 Marschlager, deren Erforschung zur bislang größten westfälischen Flächengrabung führten. Wie Lager 1 waren auch diese nur wenige Wochen bis Monate verwendeten Lager ohne feste Bauten. Sie sind jeweils etwa 20 bis 26 Hektar groß und boten Platz für ein bis zwei Legionen plus Auxiliartruppen. Wie auch beim Großen Lager lebten die Soldaten in Zelten. Unverhältnismäßig größer ist die Zahl von etwa 270 Backöfen als Folge der häufigeren Aufenthalte.
Neben Waffen, Keramik und tausenden von Schuhnägeln fand man 225 römische Münzen, darunter einen Schatz von 36 Silbermünzen in einem Lederbeutel. Die ältesten Münzen stammten aus dem Jahr 200 v. Chr., die jüngsten aus dem Jahr 9 n. Chr. Außerdem wurde eine Heerstraße mit 40 Meter Breite gefunden.
Nach der neueren Flächengrabung hat sich das Bild vom Römerlager Holsterhausen gewandelt. Es wird nun als ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt an der Lippe mit Furt und an einem Verkehrsweg in West-Ost-Richtung angesehen. Ob diese Straße bis Haltern reichte, ist noch nicht geklärt. Warum sich das mehr als zehnmal genutzte Marschlager nicht zu einem festen Römerlager entwickelte, ist noch nicht geklärt. Man vermutet die Nähe zu Vetera als Grund. Es wird aber auch vermutet, dass sich noch weitere Lager zwischen dem abgeschlossenen Grabungsfeld und der Lippe befinden, wo eine feste Bebauung vorhanden sein könnte.

Römerlager Haltern

Als Römerlager Haltern werden mehrere römische Militäranlagen auf dem Gebiet der Stadt Haltern am See (Kreis Recklinghausen) bezeichnet. Dort wurden seit 1816 an insgesamt sechs Standorten militärische Anlagen sowie ein Gräberfeld aus augusteischer Zeit entdeckt. Der Komplex wurde vermutlich zu Beginn unserer Zeitrechnung unmittelbar nördlich des Flusses Lippe angelegt. Im Zusammenhang mit den Vorgängen um die Varusschlacht wurde er wieder verlassen. Wie die Wissenschaftler heute vermuten, hatten die Anlagen zunächst eine rein militärische Funktion und sicherten die Lippe als Schiffahrtsweg ab. Später gewannen sie auch Bedeutung als Verwaltungszentrum und Handelsplatz.
Die Entdeckung der ehemaligen Römerlager Haltern geht zurück auf das Jahr 1816. In einer Korrespondenz merkte der Oberpräsident Ludwig Freiherr von Vincke an, nahe beim „St. Annenberg“ bei Haltern seien drei Grabhügel samt römischer Funde ausgegraben worden. 1834 veröffentlichte Pfarrer Johann Niesert einen Fundbericht vom Annaberg. Schließlich untersuchte der preußische Major G. F. W. Schmidt 1838 die Wege, auf denen sich römische Truppen zur Zeit des Kaisers Augustus ins Innere Germaniens aufgemacht hatten. Dabei stieß er auf dem Annaberg, der südwestlich der Stadt am Nordufer der Lippe liegt, auf die Überreste eines römischen Kastells. Es dauerte 61 Jahre, bis dort Untersuchungen begannen. Seit dem Jahr 1899 gruben Archäologen die Reste von bislang fünf römischen Anlagen der augusteischen Epoche aus und entdeckten darüber hinaus ein römisches Gräberfeld jener Zeit. Seither fanden viele Grabungskampagnen statt, die trotz der Erschwernis fortschreitender Siedlungstätigkeit wesentliche neue Erkenntnisse über Entwicklung und Funktion dieses Fundplatzes brachten.

Im Sommer 1899 fand der Archäologe Carl Schuchhardt auf dem Annaberg-Plateau, welches die Lippe-Niederung um rund 30 Meter überragt, einen Graben, dessen Verlauf mittels Suchschnitten fast vollständig geklärt werden konnte. Dieser 3,5 Meter breite und 1,5 Meter tiefe Spitzgraben gehörte zur Umwehrung eines etwa sieben Hektar großen Lagers. Es war von annähernd dreieckiger Gestalt. Hinter dem Graben fand sich ein in geringen Abständen mit Pfosten verstärkter, etwa vier Meter breiter und 1,5 Meter hoher Erdwall. Andere Pfostenspuren in dem Spitzgraben deuten an, dass in den Wall im Abstand von 30 Metern Türme eingebaut waren. Ungewöhnlich daran ist, dass die Türme sich teilweise außerhalb des Wall befunden hätten. Ebenfalls unklar ist der Befund bei den beiden zweiflügeligen Toranlagen. Die Torhäuser rechts und links der vier Meter breiten Zufahrten hätten ebenfalls mehrere Meter über den Spitzgraben hinausragen müssen. Insgesamt ergibt sich ein für Militäranlagen der augusteischen Zeit untypisches Bild

Auf dem Flurstück Wiegel entdeckte der Halterner Arzt Alexander Conrads im August 1899 Scherben, die als augusteisch datiert wurden. Nördlich einer Terrassenkante zur Lippeaue wurde bei drei Grabungskampagnen ein 300 Meter langer und etwa 60 Meter breiter Geländeabschnitt untersucht. Es fand sich dabei ein unübersichtliches Miteinander mehrerer Gräben und Gruben. Ein rund 220 Meter langer Graben grenzte diesen Fundplatz nach Norden ab. Während er in östlicher Richtung immer flacher und schmaler wurde, bog er in westlicher Richtung nach Süden ab. Dort mündete er nach etwa 30 Metern in ein System von drei bis zu sieben Metern breiten Gruben unterschiedlicher Länge – dem wegen der Anordnung der Gruben zueinander so genannten „Dreieck“. Westlich davon lag ein 13 mal 18 Meter großes Gebäude, dessen der Lippe zugewandte Südfront halb offen war. Nicht weniger als acht Spitzgräben kreuzten diesen Fundplatz.

Auf dem Flurgrundstück Hofestatt gruben die Archäologen Friedrich Koepp, Hans Dragendorff und Gustav Krüger in den Jahren 1901 bis 1904 vier zeitlich aufeinander folgende, sich überlagernde Befestigungsanlagen aus. Sie alle waren zur südlich gelegenen Lippe hin ausgerichtet und zum Fluss hin offen. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass sie in der Fachwelt auch „Uferkastell“ genannt werden.
• Die älteste Anlage war auch die kleinste. Sie war etwa 43 mal 10 Meter groß. Umgeben war sie von einem zwei Meter breiten und rund einem Meter tiefen Spitzgraben, der in der Osthälfte der Anlage doppelt ausgeführt war. Hinter den Gräben lag eine etwa drei Meter breite Holz-Erde-Mauer.
• Die nächst jüngere Anlage umschloss die erste großflächig. Ihre etwa 115 Meter lange gerade Nordseite bog an ihren Ende in südlicher Richtung zur Lippe hin ab. Auch hier wurde ein Spitzgraben mit einer dahinter liegender Holz-Erde-Mauer gefunden. Pfostenspuren an der Nordost-Ecke lassen vermuten, dass sich dort ein Turm befand. In der Mitte der Nordseite fand sich eine etwa drei Meter breite Erdbrücke, möglicherweise das Tor zu diesem Lagerplatz. Beiderseits dieser Toranlagen fanden sich im Lagerinneren die Umrisse zweier Gebäude

• Die dritte Anlage wurde von den Römern offenbar schon während der Bauphase verändert. An der Südwestecke ihres Vorgängers beginnend, verlief der wohl ursprünglich geplante Verlauf, von einem seichten Knick abgesehen, mehr als 220 Meter weit in nordöstlicher Richtung, um dann etwa 50 Meter weit nach Südosten abzuknicken. Diese Anlage war an der Westseite auf rund 75 Metern Länge mit einem doppelten Spitzgraben und einer Holz-Erde-Mauer versehen. In ihrem weiteren Verlauf wurde nur der äußere Spitzgraben gefunden. Etwa in der Mitte der nach Nordosten verlaufenden Umwehrung war eine Toranlage geplant, worauf eine breite Erdbrücke über den Spitzgraben hinweist. Tatsächlich wurde diese Anlage schließlich viel kleiner fertiggestellt. Sie war etwa halb so groß wie die zweite Befestigung und überlagerte diese in ihrer Westhälfte. Der schon erwähnte Doppelgraben knickte nun nach Südosten ab und endete an der Böschung zur Lippe. An der Nordostseite fanden sich auch eine Toranlage und Spuren kleinerer Gebäude.
• Die jüngste aller gefundenen Anlagen war auch die größte. Etwa 90 Meter westlich der anderen Befestigungen beginnend, verliefen ihre beiden Spitzgräben und ihre Holz-Erde-Mauer zunächst nach Norden, bogen dann im rechten Winkel nach Osten ab, um schließlich in die östlichen Gräben der dritten Anlage zu münden. An der Westfront befand sich ein Tor; die Gräben waren dort von einer etwa drei Meter breiten Erdbrücke unterbrochen. In der Nordwest-Ecke dieser Befestigung fanden die Ausgräber die Spuren eines 55 mal 30 Meter großen und zur Lippe hin offenen Gebäudekomplexes: die Überreste von sieben parallel zueinander liegenden Schiffshäusern – vergleichbar mit unseren heutigen Trockendocks. Jedes dieser Häuser war etwa 30 Meter lang und gut sechs Meter breit.

Grabungsbefunde auf der Flur Hofestatt führten die Archäologen auf die Spur des „Feldlager“ genannten Komplexes. Es liegt auf einer bis zu 30 Meter hohen Erhebung nordwestlich von Wiegel und Hofestatt. Nach mehreren Untersuchungen stand im Jahr 1909 die Größe des Lagers fest: Es war von annähernd fünfeckiger Form und etwa 614 mal 560 Meter groß, was einer Fläche von etwa 34,5 Hektar entspricht. Umgeben war es von einem 1,6 Meter tiefen und bis zu 2,8 Meter breiten Spitzgraben. Tore fanden sich an der Nord-, Ost- und Südseite des Lagers. Eine etwa drei Meter breite fundlose Zone hinter dem Graben an der Innenseite des Lagers deutet auf einen Wall hin. Spuren einer Innenbebauung wurden bei den bisherigen Grabungen nicht nachgewiesen. Im Nordgraben fand sich eine Kulturschicht mit erheblichen Mengen von Holzkohle, Schlacke und römischem Fundmaterial.

Ein Halterner Apotheker hatte 1901 römische Funde in einem Hohlweg entdeckt. Dieser stellte sich bei der Untersuchung des Fundortes durch Friedrich Koepp, Friedrich Philippi und Carl Schuchhardt als der äußere eines Doppelspitzgrabens heraus, welches das „Hauptlager“ umgab, und dessen Verlauf Otto Dahm fast vollständig klären konnte. Beide Gräben waren etwa sechs Meter breit und 2,5 Meter tief. Nach Innen folgte ein etwa drei Meter breite Holz-Erde-Mauer. Sie umschloss eine 16,3 Hektar große Fläche. Während der Untersuchungen entdeckten die Archäologen, dass das Lager zu einem Zeitpunkt, der sich nicht bestimmen ließ, nach Osten hin um etwa 1,6 Hektar vergrößert worden war. Im letzten Ausbaustadium hatte es eine Ausdehnung von etwa 560 mal 380 Metern und bedeckte eine Fläche von 18,3 Hektar. In der Umwehrung fanden sich vier Toranlagen, wobei die Torgassen sieben bis zehn Meter breit waren. Eine Pfostenspur nahe dem Westtor weist auf einen Lagerturm hin. Die Doppelgräben des Hauptlagers durchschneiden mehrfach den – später entdeckten – Graben des Feldlagers, das daher früher als das Hauptlager angelegt worden sein muss.
Bis zum Ersten Weltkrieg hatten die Ausgräber neben den vier Hauptstraßen des Lagers (Via Principalis, Via Praetoria, Via Decumana, Via Quintana) entdeckt. Die Lagerfläche war von einem beinahe rechtwinklig zueinander verlaufenden System von Straßen durchzogen. Die Via Praetoria war über 45 Meter, die Via Principalis 30 Meter, die Via Decumana und die Via Quintana bis zu 20 Meter breit. Parallel zur Umwehrung verlief im Lagerinnern die Via Sagularis. Die Innenbebauung wies das für römische Lager dieser Größe zu erwartende Spektrum an Gebäuden auf: neben Verwaltungssitz (Principia) und Quartier des Lagerkommandanten (Praetorium) gab es Tribunenhäuser, Centurionenhäuser, Kasernengebäude (Contubernium), ein Lazarett (Valetudinarium), Magazine, Töpfereien, Speicher und Werkstätten. Auffällig ist die ungewöhnlich hohe Zahl an Gebäuden repräsentativen Charakters und das nachträgliche Errichten von Neubauten in den Straßenraum hinein.
Das Ostlager wurde 1997 entdeckt. Im Jahre 2000 fand man ein Clavicula-Tor, das man bisher nur aus Lagern kannte, die Ende des ersten Jahrhunderts der Zeitrechnung errichtet wurden

Erste Grabhügel waren nahe dem Annaberg bereits 1816 gefunden und ergraben worden. Grabungen am Osthang des Annabergs fanden 1925 unter August Stieren und 1932 unter Christoph Albrecht statt, bei denen augusteische Brandbestattungen gefunden wurden. 1958 wurde in diesem Gebiet zufällig ein weiteres augusteisches Grab entdeckt. Als etwa 500 Meter östlich noch ein Grab entdeckt wurde, begannen 1982 planmäßige Grabungen, bei denen bis 1988 weitere 32 Gräber entdeckt wurden. Das bislang entdeckte Gräberfeld erstreckt sich auf einer Länge von annähernd 500 Metern auf einem etwa 45 Meter breiten Streifen von der Südostecke von Feld- und Hauptlager zum Annaberg. In allen Fällen handelt es sich um Brandbestattungen, wobei Kochtöpfe als Urnen verwendet wurden. Zu den Grabbeigaben gehören fast immer kleine Salböl-Flaschen. Häufig gefunden wurden auch Reste von Krügen und anderem Geschirr sowie Nägel, die vom Totenbett der Verstorben, aber auch von deren Schuhen stammen können. Auf Totenbetten deuten auch Hunderte Bruchstücke aus Bein hin, die mit Schnitzwerk verziert waren.

Wann der Lagerkomplex Haltern gegründet wurde, steht bislang nicht eindeutig fest. Zeitlich zuordnen lässt sich die Gründung bislang allein durch Vergleichen des Halterner Fundmaterials mit dem anderer, bereits fest datierter Fundplätze. Aus dem Formenspektrum der Keramikfunden lässt sich ableiten, dass Haltern erst einige Jahre nach Aufgabe des Römerlagers Oberaden, welches spätestens im Jahr 8 v. Chr. aufgelassen wurde, gegründet wurde. In den historischen Quellen ist für den Zeitraum von 7 v. Chr. bis 1 n. Chr. kein Grund für das Errichten eines derartigen Militärkomplexes erkennbar. Daher spricht einiges dafür, dass Haltern im Zusammenhang mit den von dem römischen Schriftsteller Velleius Paterculus erwähnten Unruhen in Germanien des Jahres 1 n. Chr. steht, auf die die Römer mit Feldzügen unter Marcus Vinicius reagierten. Eine Gründung bereits ab den Jahren 7–5 v. Chr. wird allerdings nicht ausgeschlossen.
Der Lagerkomplex bei Haltern wurde von den Römern nur bis zum Jahr 9 n. Chr. genutzt. Anhand von Münzstatistiken konnte Konrad Kraft diese Annahme 1956 erstmals plausibel belegen. Sie wurde in späteren Jahren von Bernard Korzus und anderen aufgrund des weiter gewachsenen Münzbestandes bestätigt.
Für die Aufgabe des Lagers im Zusammenhang mit der Varusschlacht sprechen unter anderem auch drei Hortfunde. Entdeckt wurden außer einer Kiste, die mehr als 3000 Geschützpfeile enthielt, ein weiterer Hort mit Waffen und anderen Objekten aus Metall sowie ein Münzschatz, der mit einer Gold- und 186 Silbermünzen in seinem damaligen Wert in etwa dem Jahressold eines Soldaten entsprach.
Trotz seiner geeigneten Lage gibt das Lager auf dem Annaberg den Wissenschaftlern Rätsel auf, weil es nicht zu dem Bild anderer augusteischer Militäranlagen passt. Seine Funktion ist bislang ungeklärt. Ebenso verhält es sich mit dem Fundplatz Wiegel am Rande der Hochterrasse zur Lippeaue. Zunächst wurde darin ein mit Speicherbauten ausgestatteter Anlegeplatz für Schiffe vermutet. Dann jedoch hätte die Lippe direkt an der Terrassenkante vorbeifließen müssen, was als unwahrscheinlich gilt. Zu der Annahme passen auch nicht die vielen Siedlungsfunde aus Münzen, Fibeln, Feinkeramik und Buntglas, die man an einer Hafenanlage in hoher Zahl eher nicht erwarten kann.
Bei der vierten, also jüngsten Befestigungsanlage am Hofestatt handelt es sich den Befunden zufolge eindeutig um einen befestigten Marinestützpunkt. Die Funktion der zuvor an dieser Stelle errichteten Anlagen ist unklar. Auch wenn sich auch dort jeweils eine Nutzung als befestigter Landeplatz für Schiffe annehmen lässt, so ist das durch Befunde bislang nicht erhärtet worden.
Der Lagerkomplex diente offenbar nicht mehr allein militärischen Zwecken, als er verlassen wurde. Die Annahme einer außerdem administrativen und auch schon zivilen Nutzung stützt sich auf mehrere Befunde. Zum einen wurde das Lager erheblich vergrößert. Aber dies geschah offenbar nicht, um Platz zum Unterbringen weiterer Soldaten zu gewinnen. Statt dessen gibt es Hinweise darauf, dass Kasernen zugunsten des Anlegens von Werkstätten abgerissen wurden. Weitere Indizien sind der Neubau eines Tribunenhauses und eines Speichergebäudes nach der Lagererweiterung, der Umbau mehrerer Gebäude, der Neubau von Tribunenhäusern in den Lagerstraße und die Tatsache, dass der Lagerkomplex insgesamt mehr Gebäude für höhere Offiziere enthielt, als es für ein Lager nötig gewesen wäre. Siegmar von Schnurbein zufolge konnte das Lager lediglich sechs oder sieben Kohorten und einige Hilfstruppenkontingente aufnehmen.
Die Keramikproduktion des Lagers diente zu einem späteren Zeitpunkt seines Bestehens offenbar nicht mehr allein dem Zweck, den eigenen Bedarf zu decken. Funde von Terra-Sigillata-Imitationen und glasierter Keramik legen diesen Schluss nahe. Über den Fund von in Haltern produzierter hochwertiger Keramik sind Handelsbeziehungen lippeaufwärts bis zum Römerlager Anreppen sowie lippeabwärts zum Rhein und an diesem bis nach Mainz und Wiesbaden nachweisbar.
Abschließend lässt sich sagen, dass Haltern, als es verlassen wurde, im Wandel begriffen war von einem rein militärischen Komplex, dem zunehmend auch zivile Bedeutung zukam. Das passt zu den Schilderungen der antiken Schriftsteller Tacitus und Cassius Dio. Tacitus berichtete in seinen Annalen (1, 59) von Arminius, er habe in einer Rede gegen die Römer von neuen Siedlungen („novas colonias“) gesprochen Dio beschrieb in seinem Werk Römische Geschichte, die Römer hätten zur fraglich Zeit im rechtsrheinischen Gebiet erste Städte („Polis“) und Märkte („Agora“) aufgebaut. Während in Lahnau-Waldgirmes an der Lahn inzwischen eine solche Stadtgründung aus augusteischer Zeit entdeckt wurde, hat Haltern aufgrund der Funde und Befunde eher als Handelsplatz gedient.
Offen ist, welche Truppen einst in Haltern stationiert waren. Auf die zeitweilige Anwesenheit zumindest von Teilen der in der Varusschlacht untergegangenen 19. Legion weisen zwei Funde hin: ein Terra-Sigilatta-Teller mit der Ritzinschrift eines Soldaten mit dem wenig verbreiteten Namen Fenestela, dessen in Frejus gefundener Grabstein ihn als Angehörigen dieser Legion ausweist; ein im Hauptlager gefundener Bleibarren, auf dem sich ebenfalls ein Hinweis auf die 19. Legion befindet.
Wesentliche Teile des ehemaligen Lagerkomplexes sind heute überbaut. Eine von zwei Ausnahmen ist der westliche Bereich von Feld- und Hauptlager. Das Areal am Westrand der Stadt Haltern am See ist von Siedlungsflächen umschlossen und wird heute landwirtschaftlich genutzt. Der Fundort am Annaberg ist heute bewaldet. Das LWL-Römermuseum wurde zwischen den südlichen Umwehrungen von Feld- und Hauptlager erbaut und vollzieht deren Verlauf durch die Gebäudeform nach. Die Oberlichter in dem begrünten Dach des Flachbaus erinnern zudem an die Zelte der römischen Soldaten, die auf diesem Gelände vor 2000 Jahren campierten. Auch die Funde der weiteren bislang an der Lippe entdeckten Lager – Anreppen, Beckinghausen, Holsterhausen, Oberaden – sowie die aus dem Römerlager Kneblinghausen werden in dem Museum ausgestellt.
Römerlagers bei Beckinghausen

Die Entdeckung des als Uferkastell bekannt gewordenen Römerlagers bei Beckinghausen (heute ein Stadtteil Lünens) geht auf Vermutungen des Pfarrers Otto Prein zurück. Wie er herausfand, waren im Bereich des Beckinghauser Friedhofes angeblich noch im 19. Jahrhundert römische Funde im Fluss Lippe gemacht worden. Auch eine Furt durch die Lippe soll es damals noch an jener Stelle gegeben haben. Prein vermutete daher, dass die Römer in diesem Bereich einen befestigten Lippeübergang gebaut haben könnten.
Im Jahr 1906 fanden sich dort tatsächlich Keramikscherben, die von Constantin Koenen aus Neuss in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. datiert wurden. Im Jahr 1911 konnten die Ausgräber des nahe gelegenen Römerlagers Oberaden, Albert Baum und Gerhard Kropatschek, bei einer Suchgrabung Preins Vermutung bestätigen. Weitere Grabungen fanden in den Jahren 1912 bis 1914 statt. Dabei konnte mittels einzelner Suchschnitte Größe und Gestalt der Befestigung festgestellt werden; größere Flächen wurden nicht erkundet. Auch 1937 und 1938 wurde gegraben. Zur bislang letzten Ausgrabung kam es im Jahr 1978. Dabei sollte vor allem das Lagerinnere erkundet werden. Ein klarer Befund ergab sich nicht, weil die Fläche erheblich gestört war.
Das Lager liegt an einem steil zur Lippe hin abfallenden Hochufer; es ist von ovaler Gestalt. Bei einer maximalen Länge von 185 Metern und einer Breite von 88 Metern misst seine Fläche rund 1,6 Hektar. Drei parallel verlaufende Spitzgräben haben die Anlage im Westen, Süden und Osten umgeben, der innere bis zu 3,7 Meter breit und mehr als zwei Meter tief. Nach Norden hin schützte das elf Meter abfallende Steilufer der Lippe das Lager. Hinter den Gräben lag eine drei Meter breite Holz-Erde-Mauer, möglicherweise alle 30 Meter durch Türme verstärkt. Eine Toranlage ist nur im Westen der Anlage gefunden worden. Die zwei inneren Spitzgräben wurden hier durch eine Erdbrücke unterbrochen.
Innerhalb des Lagers wurden vier Straßengräben gefunden. Der Wallstraßengraben verläuft im Abstand von sieben Metern parallel zur Holz-Erde-Mauer, zwei weitere verlaufen im Abstand von bis zu 25 Metern nahezu parallel entlang der Lagerlängsachse. An der Toranlage im Westen wurden neben zwei unklaren Gebäudegrundrissen einige Gruben entdeckt. Zwei von ihnen waren Töpferöfen, in denen Tonwaren hergestellt wurden; in einem der Öfen wurden mehrere ziegelartige Steine gefunden.
Die Datierung des Lagers fällt schwer, es wurden nur wenige Münzen und Keramikscherben gefunden. Die Keramikfunde werden als zeitgleich mit den Funden aus Oberaden eingestuft.

Römerlager Oberaden

Das Römerlager Oberaden ist benannt nach einem Ortsteil der Stadt Bergkamen (Kreis Unna). Entdeckt wurde dieses Mehrlegionenlager im Jahr 1905 von Pfarrer Otto Prein, der die Archäologen schon auf die Spur des nur 2,5 Kilometer westlich gelegenen, wesentlich kleineren Römerlagers in Beckinghausen geführt hatte. Erste Grabungen begannen 1906. Unter der Leitung von Gerhard Kropatschek dauerten sie bis 1914 an. Zu weiteren Grabungen kam es 1937 und 1938 unter Leitung von Christoph Albrecht, in den Jahren 1962/1963 sowie seit 1976 in kontinuierlicher Folge.

Das Lager liegt auf einer Anhöhe südlich der Lippe. Es ist von siebeneckiger Gestalt und weist mit seinen Seitenlängen von rund 840 x 680 Metern eine Fläche von etwa 56 Hektar auf. Das Lager umgab eine 2,7 Kilometer lange Umwehrung, bestehend aus einem vier bis fünf Meter breiten Spitzgraben, der zwei bis drei Meter tief war. Zum Lagerinnern hin folgte eine drei Meter breite Holz-Erde-Mauer, die alle 25 Meter mit Türmen befestigt war. Toranlagen fanden sich im Norden, Osten, Süden und Westen der Umwehrung.

Die Innenfläche des Lagers wurde nach rechtwinkligem Schema bebaut. Die Gebäude bestanden aus einer Fachwerkkonstruktion mit Lehmbewurf. Nahe der Holz-Erde-Mauer befanden sich die Häuser der Centurionen und die Mannschaftskasernen. Eine komplexe Bebauungsstruktur wurde in dem Gebiet zwischen dem nördlich der Lagermitte gelegenem Praetorium (Kommandeurshaus) und dem Südtor aufgedeckt. Das Praetorium hatte eine Größe von etwa 41 x 59 Metern. Südlich folgte, getrennt durch die 42 Meter breite Via principalis (Hauptstraße des Lagers), das Stabsgebäude, die etwa 94 x 103 Meter großen Principia. Zwischen dem Stabsgebäude und dem Südtor standen fünf villenartige Häuser mit angegliederten Peristylhöfen. Das größte dieser Häuser überdeckte eine Fläche von 39 x 29 Metern und hatte zudem einen 36 x 17,5 Meter großen Peristylgarten. Diese Häuser waren der militärischen Führungsschicht (Militärtribunen, Legaten) vorbehalten.

Wegen des feuchten Untergrundes in Oberaden konnten immer wieder hölzerne Gegenstände gefunden werden. So wurde das Regenwasser in den größeren Straßen des Lagers in mit Holz verschalten Kanälen aufgefangen und abgeleitet. Gefunden wurden auch über 40 Brunnen mit Holzverschalung. Bei letzterer waren – eine frühe Form des Wertstoff-Recyclings – Transportfässer aus Holz verbaut worden. Zu den hölzernen Fundstücken gehören auch mehrere Pila muralia, also Schanzpfähle, von denen einige mit Inschriften von Centurionen versehen sind. Die Ausgräber fanden zudem ein Übungsschwert aus Holz.
Zum, verglichen mit dem Römerlager Haltern, eher spärlichen Fundgut gehörten darüber hinaus Zeltheringe, Pila, Dolchklingen, Schleuderkugeln, Pfeilspitzen, mehrere Phalerae und Münzen.

Unklar ist die Größe des in Oberaden stationierten Truppenkontingents. Wegen der enormen Lagerfläche wird eine Belegung mit zwei bis drei Legionen nicht ausgeschlossen. Der Fund von Schleuderbleien deutet auf die Anwesenheit von Hilfstruppen, der Fund des Holzschwertes auf die Anwesenheit thrakischer und/oder kleinasiatischer Soldaten hin.

Wie dendrochronologische Untersuchungen der in der Holz-Erde-Mauer verbauten Eichenstämme ergaben, wurden diese „in saftfrischem Zustand“ (Johann Sebastian Kühlborn, s. u.) gefällt, und zwar im Spätsommer des Jahres 11 v. Chr.. Diese Datierung passt zu der Schilderung des römischen Historikers Cassius Dio. Jener berichtet, Drusus habe im Jahr 11 v. Chr. beim Rückmarsch ins Winterquartier zwei Lager errichten lassen, eines am Rhein und eines am „Zusammenfluss von Lippe und Elison“.
Die Münzfunde und Hinweise in antiken Quellen (Einstellen der Feldzüge im rechtsrheinischen Gebiet) lassen vermuten, dass das Lager in Oberaden nicht über das Jahr 8 v. Chr. hinaus bestanden hat. Es wurde von den römischen Truppen selbst aufgegeben, worauf nicht nur die in Brand gesetzten Gebäude und die allgemeine Fundarmut (planmäßiges Räumen) hindeuten. Die Grabungen ergaben außerdem, dass etliche Lagerbrunnen mit Fäkalien, Tierkadavern und Abfällen vergiftet wurden, und zwar von den Römern selbst, wie die in den Fäkalien gefundenen mediterranen Pflanzenreste belegen.
Römerlager Anreppen

Das Römerlager Anreppen befindet sich im Ortsteil Anreppen der Stadt Delbrück, Kreis Paderborn.
Es wurde 1968 von Anton Doms, Westfälisches Museum für Archäologie – Amt für Bodendenkmalpflege, Außenstelle Bielefeld entdeckt. 1967 war hier von einem Bauern beim Anlegen einer Runkelmiete eine gelbe Scherbe gefunden worden.
Mit seinen Grabungen, die er von 1968 bis 1982 durchführte, konnte der Verlauf der Umwehrung und damit auch die Größe des Lagers bestimmt werden. Das Lager hat die Form eines unregelmäßigen, 23 Hektar großen Längsovals und liegt direkt am heutigen Südufer der Lippe. Erbaut ist es als ein sogenanntes Holz-Erde-Lager, ebenso wie die anderen, an der Lippe gelegenen Römerlager Holsterhausen, Haltern, Beckinghausen und Oberaden. Die Befestigung bestand aus einer Holz-Erde-Mauer mit zwei vorgelagerten Spitzgräben. Das Innere des Lagers blieb zunächst von Anton Doms unerforscht.
In den Jahren 1988 bis 2004 hatte das Westfälische Museum für Archäologie – Amt für Bodendenkmalpflege unter der Leitung von Johann Sebastian Kühlborn im Inneren des Lagers große Flächen ausgegraben. Nachgewiesen sind inzwischen das 47,5 m × 71 m große praetorium (Kommandeurshaus), weitere, teils repräsentative Wohngebäude, ein Thermengebäude mit mehrfach erneuerter Ofenanlage, ein 56 m × 68 m großer Vorratsspeicher (horreum) am Südtor und innerhalb eines gesondert abgegrenzten Bereichs weitere, allerdings kleinere Speicher in der Nähe des Osttores. Mannschaftsunterkünfte wurden an der südlichen via sagularis (Wallstraße) und an der via praetoria, sowie am Südtor und am Osttor nachgewiesen. Wegen der ungewöhnlich vielen Vorratsspeicher wird Anreppen unter anderem als Versorgungsbasis für die weiter östlich operierenden Truppen gedient haben.
Etwa 500 m östlich des Lagers wurden zwei Teilstücke einer unbefestigten, römischen Straße nachgewiesen. Für eine zweiperiodige Nutzung des Platzes spricht ein älterer römischer Spitzgraben im Ostteil des Lagers.
Der Gründungszeitpunkt des Römerlagers Anreppen lässt sich relativ gut bestimmen. Der römische Historiker Velleius Paterculus (2, 105) berichtet über einen Feldzug von Tiberius im Jahr 4 n. Chr. vom Bau eines Winterlagers an den Quellen der Lippe. Dazu passt ein in das Jahr 5 n. Chr. zu datierendes Bauholz von einer Mannschaftslatrine. Weniger präzise ist das Enddatum der Nutzung Anreppens festzulegen. Das Fundmaterial gehört in das erste Jahrzehnt n. Chr., möglicherweise ist das Ende von Anreppen mit den Folgen der clades Variana (der Niederlage des Varus in der Varusschlacht 9 n. Chr.) zu verbinden. Trotz dieser offenkundig sehr kurzen Nutzungszeit kam es im Lager verschiedentlich zu Umbauten sowie zu Reparaturmaßnahmen.
Nur 3,5 km südlich des Römerlagers wurde 1975 der Wohnplatz von Thüle entdeckt.


Römerlager Kneblinghausen
Als Römerlager Kneblinghausen wird eine Befestigungsanlage rund 1 km südlich des Ortsteils Kneblinghausen der nordrhein-westfälischen Stadt Rüthen (Kreis Soest) bezeichnet.
1901 wurde die Befestigungsanlage durch den Oberlehrer A. Hartmann aus Rüthen entdeckt. Unter seiner Leitung fand 1901 bis 1907 die erste Ausgrabung statt. 1926 nahm Prof. Stieren die Untersuchungen wieder auf. Er ließ 1934 eine Grabung stattfinden. Angestoßen durch Spethmann aus Essen fanden 1937 bis 1939 weitere Ausgrabungen an den Wällen und im Innenbereich statt. [1]
Die Ausgrabungen brachten Gewissheit über die Ausdehnung der Anlage. Außerdem wurde deutlich, dass es zwei Bauphasen gegeben haben muss. Der erste Bau war etwa 450 x 245 m groß, die zweite Bauphase verkürzte den Bau im Osten um ungefähr 130 Meter. Die vergrabenen Tore waren sogenannte Clavicula-Tore, was unter anderem zur Vermutung führte, dass es sich bei der Wallanlage um eine römische Befestigung handeln könnte.
Die Ausgrabungen im Innenbereich erbrachten allerdings keine gesichert römischen Funde. Stattdessen tauchten Funde und Befunde auf, die eine germanische Siedlung um Christi Geburt wahrscheinlich machten. Es wurde vermutet, dass eine germanische Siedlung durch den Bau des Römerlagers zerstört worden sei.
Lange Zeit galten Clavicula-Tore als typisch für das späte erste nachchristliche Jahrhundert. Deshalb konnte man Kneblinghausen nicht in die bekannte Reihe augusteischer römischer Lager an der Lippe einreihen (Holsterhausen, Haltern, Oberaden, Anreppen). Stattdessen brachte man die Anlage mit den Chattenfeldzügen unter Kaiser Domitian (in den 80er Jahren des 1. nachchristlichen Jahrhunderts) in Verbindung.
Im Ostlager von Haltern wurde bei Ausgrabungen im Jahr 2000 ein Clavicula-Tor ausgegraben. Aus diesem Grunde erscheint eine Deutung Kneblinghausens im Zusammenhang mit den römisch-germanischen Auseinandersetzungen um Christi Geburt (zum Beispiel die Varusschlacht) durchaus als vertretbar.
G. Mildenberger deutete - da es eben wenig eindeutige Hinweise auf römischen Ursprung gab - die Anlage als germanische Befestigung. Die Erbauer hätten die römische Befestigungstechnik angewandt, um einen ehemals ungesicherten Siedlungsplatz zu befestigen. Diese Sicht konnte sich nicht durchsetzen.
Einen ganz neuen Ansatz verwendet die Hypothese vom kaiserzeitlichem Abbau von Bleierz im nördlichen Sauerland durch römische Bergwerksbetreiber. Aufgrund epigraphischer Befunde wird unter anderem vermutet, dass es im Raum Brilon einen solchen römischen Bergbau gegeben hat. Peter Rothenhöfer nimmt an, dass „den im Lager Kneblinghausen stationierten Soldaten Aufgaben im Bereich der Sicherung und Überwachung eben dieses Bergbaubezirkes zugefallen sein“ könnten. Nach dem derzeitigen montanarchäologischen Kenntnisstand erscheint dies jedoch nicht wahrscheinlich.
Kneblinghausen ist nach dem heutigen Forschungsstand ein römisches Lager, möglicherweise aus dem zeitlichen Bereich der römisch-germanischen Auseinandersetzung um die Zeitenwende, möglicherweise auch im Zuge von wirtschaftlichen Betätigungen im Vorfeld von „Provinzialisierungsbemühungen“. Eine genaue Interpretation im Rahmen der schriftlichen Quellen zur römisch-germanischen Geschichte ist derzeit noch nicht möglich.
Römerlager Hedemünden
Das Römerlager Hedemünden war eine frühzeitliche Befestigungsanlage, deren Reste sich nahe dem Unterlauf der Werra auf dem heute bewaldeten Burgberg am Rand des Ortes Hedemünden, einem Stadtteil Hann. Mündens in Niedersachsen, finden. Archäologischen Untersuchungen zufolge lässt das reichhaltige Fundmaterial römischer Herkunft auf ein römisches Militärlager aus der Zeit um Christi Geburt schließen.
Es handelt sich neben der Fundregion Kalkriese, dem Römerlager Bentumersiel und dem Römischen Schlachtfeld bei Kalefeld um eine der wenigen römischen Fundstellen im norddeutschen Raum.

Bereits 1855 wurde im näheren Umfeld des Burgberges ein Schatzfund mit römischen Münzen in einem Tongefäß gemacht. Der Fundort liegt zwischen Hedemünden und Ellerode „Im Eichholze“ auf der Trasse eines früheren Fernweges. Bis auf zwei Stücke sind die Typen unbekannt geblieben, denn der restliche Münzfund wurde eingeschmolzen.[1] Erwähnt sind lediglich ein Stück der Gens Minucia und eines der Gens Mamilia. Bei letzterem muss es sich um den Denartyp Cra 362/1, geprägt von C. Mimilius Limetanus in Rom im Jahr 82 v. Chr., gehandelt haben. Dieser Typ ist ein Serratus, der unter den römischen Fundmünzen aus der Zeit des Augustus, in der Fundregion Kalkriese zum Beispiel, durchaus gängig ist.
Raubgräber machten 1998 auf historische Fundstücke auf dem Burgberg aufmerksam. Die sichtbare Wallanlage wurde bis dahin als germanische Wallburg angesehen. Der Kreisarchäologe des Landkreises Göttingen Klaus Grote gab am 6. April 2004 auf dem Burgberg bei Hedemünden der Öffentlichkeit die Entdeckung eines römischen Militärlagers bekannt.
Der Burgberg liegt auf einer Hochfläche oberhalb des Steilhangs über dem Werratal, rund 60 bis 90 Meter über der Talsohle. Unterhalb davon befindet sich eine Furt durch die Werra, die zu einem früheren Fernweg vom heutigen Nordhessen ins heutige Südniedersachsen gehörte.

Die Ausgrabungen und Prospektionen der Göttinger Kreisarchäologie unter K. Grote förderten bis Ende 2007 sechs Geländekomplexe zutage.

Das „Lager I“ (als Ringwall „Hünenburg“ lange bekannt, aber irrtümlich als germanische Fliehburg angesehen) ist eine länglich ovale Anlage von 320 mal 150 Metern bei einer flach-welligen Innenraumfläche von 3,215 Hektar. Dieses umgibt eine Wall-/Grabenanlage von 760 Metern Länge, in der vier Tore nachgewiesen wurden. Sie befinden sich jeweils in der Mitte der West-, Ost- und Südflanke sowie im Südosten. Ein zusätzliches Nordtor ist nicht nachweisbar. Wall und Graben wurden durch Profilschnitte überprüft. Der Wall hat heute eine Basisbreite von fünf bis sechs Metern und eine Höhe von 0,8 bis 1,2 Metern. Er war vermutlich einst als sogenannte Holz-Erde-Mauer konstruiert, das heißt, die Außenfront des Walles war durch eine senkrechte Pfosten- und Bohlenwand verbaut. Die Gesamthöhe von Grabenbasis bis Wallkrone wird auf 3,5 Meter geschätzt.
Unter der Wallanschüttung fanden sich auf der ehemaligen Oberfläche drei eiserne Pionieräxte (Dolabrae) und eine Pionierschaufel. Im Zuge der Prospektion und vor allem der Grabungen fanden sich im Lager I Gefäßscherben von einheimischer jüngereisenzeitlicher Keramik, von römischer importierter Drehscheibenware (teilweise von Ölamphoren) und eine Serie römischer Münzen. Dazu kommen eine Aduatuker-Kleinmünze und vier unbestimmbare keltische Kleinmünzen. Drehmühlen aus Basaltlava zeugen von der alltäglichen Nahrungsbereitung. Als Einzelfunde sind zum Beispiel eine Aucissafibel und ein Phallusamulett aus Bronze zu nennen. Auffällig ist die große Zahl von eisernen Waffen-, Werkzeug- und Geräteteilen, die auf das römische Militär zurückgehen, wie zum Beispiel eine Schwertklinge, Pilumreste, Tüllenlanzenspitzen, Katapultgeschossbolzen, Lanzenschuhe, Zeltheringe, Ledermesser, Sensen und Sicheln, Baubeschläge, Pfrieme, Meißel und Durchschläge, Hobelmesser, Nägel und Kettenteile. Außerdem liegt eine große Anzahl typischer Sandalenbeschlagnägel vor. Vom römischen Tross stammen vermutlich Anschirrungsteile (Trense, Zugjoch) und Wagenteile (Nabenringe und -hülsen, Achsnägel, Felgennägel, Ösenstifte, Achsenfragmente). Alle Objekte werden zeitnah fachlich restauriert[2]. Funde wie Eisenschlacken und technische Bronze- und Bleiabfälle weisen auf Metallverarbeitung hin.
Im Waldboden des Lagerinnenraums sind oberirdisch deutliche Spuren von Gebäuden vorhanden, und zwar als gelegte Reihen und Vierecke aus großen unbearbeiteten Sandsteinblöcken. Offensichtlich handelt es sich um die Fundamentierungen von Holz-Lehm-Bauten in Fachwerk- oder Bohlenbauweise. Zu denken ist an Horrea, das heißt große Vorratsbauten mit „schwebenden“, unterlüfteten Böden, aber auch an Mannschaftsbaracken und andere Funktionsbauten. Durch die Grabungen wurden diese Steinsetzungen bereits mehrfach bestätigt, zum Beispiel mit Nachweis von verbranntem Baulehm und unterirdischen Grubeneinbauten. Die 2005 und 2006 im Lager I durchgeführte Magnetometerprospektion ergab direkte Hinweise auf weitere Großgebäude, die vielleicht als Principia und als Praetorium anzusprechen sind. Außerdem können an mehreren Stellen im Lager unterirdische Gruben lokalisiert werden. Die seit 2006 vorgenommenen Probegrabungen haben die Befunde jeweils als römische Anlagen bestätigt. Neben den Bauresten, die sich auffällig mit den oberirdischen Steinsetzungen und der Fundverteilung in Deckung bringen lassen, sind hier auch steingesetzte Feuerstellen und ein Feldbackofen zu nennen.
Das „Lager II“ ist eine kleinere Anlage von fast rechteckiger Grundrissform, die südlich an das „Lager I“ anschließt und als Anbau offenbar gleichzeitig mit diesem entstand. Die Innenraumfläche beträgt 1,3 Hektar. Auch hier wurden Wall (vermutlich von einer Holz-Erde-Mauer) und Spitzgraben eindeutig nachgewiesen, wobei die Spitzgrabenverfüllung intensive Brandreste enthält. Hierbei handelt es sich wohl um die abgebrannten Reste einer Wallbewehrung aus Flechtwerk mit Lehmverputz. Zwei C14-Analysen ergaben die übereinstimmende Datierung in die augusteische Zeit. Gefunden wurden in diesem Bereich eine (vierte) Dolabra, zwei eiserne Hammerdechsel, Tüllenlanzenspitzen, Katapultbolzen, Sichelteile, eiserne Nägel, Sandalennägel, Zeltheringe und Baubeschläge.

Der Bereich III ist ein westliches Vorgelände von „Lager I“ mit einer auffälligen Fundkonzentration römischer Metallobjekte auf 150 mal 150 Metern Fläche. Wall- und Grabenanlagen sind hier nicht erkennbar. Zu den Funden gehören eine Silbermünze der Römischen Republik, eine Kupfermünze des Augustus (?), eine 40 Zentimeter lange Pilumstange, eine Pilumzwinge, zwei Katapultbolzen, Sandalennägel, ein Glockenklöppel und diverse Baubeschläge.

Das mutmaßliche „Lager IV“ liegt östlich unterhalb des Burgberges. Es könnte rund 15 bis 18 Hektar umfasst haben. Die Südflanke, oberhalb eines Steilhanges zur Werraniederung gelegen, zeigt Reste einer Wallbefestigung, jeweils mit abgerundeten rechtwinkligen Ecken im Westen wie Osten. Auffällig sind hier Keramikfundstreuungen und Strukturen im überackerten Gelände. Die Magnetometerprospektion auf mehreren Hektar Fläche lässt Bau- und Grubenstrukturen erkennen. Es handelte sich möglicherweise um ein Marschlager. Erst Probegrabungen könnten Sicherheit schaffen, ob der Bereich als Lager IV angesprochen werden kann.

Als Bereich V werden mehrere Geländeterrassen bezeichnet, die im oberen Osthang zwischen den Lagern I, II und IV liegen. Ihre Datierung ist noch zu klären, in einem Fall hat die Probegrabung ergeben, dass es sich um eine kleine rechtwinklige Wall- und Grabenstruktur mit verbrannter Palisade gehandelt hat, die östlich an das Lager II angebaut war. Aus den anderen Terrassen liegen bereits Keramikreste vor, dabei ist eine Scherbe Terra Sigillata bemerkenswert.

Auch aus dem nördlichen bewaldeten Vorgelände des Lagers I, noch auf der Hochfläche, stammen römische Metallfunde. Hier befindet sich ein versumpfter Wasseraustritt, der vermutlich für die ehemalige Frischwasserversorgung eine Rolle gespielt hat. Spuren von verziegeltem Baulehm, Holzkohlen und die Metallobjekte führten zur Festlegung des Außenbereiches VI.

Bis Ende 2007 wurden insgesamt rund 1.300 römische Metallfunde gesichert. Sie lassen einen Vergleich mit anderen Funden aus frühkaiserzeitlichen Lagern und Plätzen wie Haltern, Xanten, Nimwegen, Kalkriese, Waldgirmes, Hofheim, Dangstetten und Rödgen (Bad Nauheim) zu. Auffällig ist die in Größe und Form bestehende Ähnlichkeit mit dem Römerlager Rödgen (3,3 Hektar) in der Wetterau. Die Datierung ist über die Serie der Münzen gesichert. Neben drei republikanischen älteren Silberprägungen sind dafür die Bronzemünzen ausschlaggebend. Die Mehrzahl besteht hier aus Nemausus-Prägungen der Serie I (Asse und Dupondien), die zwischen 16 und 8 v. Chr. in Nemausus, dem heutigen Nimes in Südfrankreich geprägt wurden und bis in die vorgeschobenen Legionsstützpunkte im Norden an den Rhein gelangt sind. Von dort wurden sie in großer Zahl als Sold an die Legionäre ausgegeben, so dass sie zu den Hauptfundmünzen in den frühen Feld- und Nachschublagern in der Germania gehören. Somit ist der Stützpunkt von Hedemünden in die frühe Phase der Okkupationsvorstöße nach Germanien zu datieren, der als Oberaden-Horizont bezeichnet wird. Die Vorstöße wurden damals (zwischen 12 und 9 v. Chr.) unter Drusus von Xanten und Mainz aus geführt. Der letzte dieser Feldzüge führte 9 v. Chr. von Mainz aus über Hedemünden weiter nach Südniedersachsen und um den Harz herum bis an die Elbe.

Seit 2006 werden die archäologischen Geländearbeiten auf das weitere Umfeld von Hedemünden ausgedehnt. 2007 führte die Untersuchung des bis dahin in mittelalterliche Zeit eingeordneten Ringwalls Kring zu Fundstücken aus römischer Zeit. Dies führte zur Annahme, dass es sich anfangs um einen Aussenposten des Römerlagers handelte, der in höherer Lage und in Sichtweite etwa 2,5 km südwestlich vom Hauptlager entfernt lag. Auch wurden in heutigen Waldgebieten, insbesondere im Kaufunger Wald südlich der Werra gegenüber dem Hauptlager, überraschende Befunde ermittelt. So ließ sich der antike Marschweg der römischen Truppen anhand zahlreicher Metallfunde auf lange Strecken kartieren. Es wurden typische Beschlagnägel der Legionärssandalen, aber auch ein vollständig erhaltener eiserner Legionärsdolch (Pugio) gefunden. Außerdem wurden beiderseits des Lagers auf diesen Strecken zwei vorgeschobene Außenposten lokalisiert: in Richtung Nordosten (Richtung Göttinger Leinetal) in rund fünf Kilometern Entfernung, nach Südwesten (Richtung Kassel) im Kaufunger Wald in rund drei Kilometern Entfernung. Beide Plätze lieferten Serien von römisch-augusteischen Metallfunden. Der Münzdatierung zufolge sind auch sie vermutlich den Feldzugsjahren des Drusus zuzuordnen.

Nach den archäologischen Befunden wurde das Lager Hedemünden um etwa 11 bis 9 v. Chr. gegründet. Es bestand mindestens bis 8 oder 7 v. Chr., eventuell auch noch bis in die Jahre nach Christus und bis zur Varusschlacht. Letztlich kann es noch einmal in den Jahren 15 und 16 n. Chr. während der römischen Revanchefeldzüge unter Germanicus eine Rolle gespielt haben. Das Lager wurde wahrscheinlich von Drusus angelegt, in Betracht kommen der Feldzug im Jahr 11 v. Chr. an die Weser, auf dem das bislang nicht lokalisierte Lager Aliso gegründet wurde und der Feldzug im Jahr 9 v. Chr. an die Elbe.
Mit Hedemünden wurde ein wichtiger strategischer und logistischer Lagerkomplex der römischen Vorstöße entdeckt. Er orientierte sich an der Überquerung einer alten Fernstraße, die von Nordhessen nach Südniedersachsen führte, über die Werra, die als Oberlauf der Weser noch rund 150 Kilometer weiter flussaufwärts schiffbar war und gleichermaßen eine wichtige überregionale Verkehrs- und Handelslinie darstellte. Bis heute gilt Hedemünden als einziges in Niedersachsen nachgewiesenes Römerlager, es ist bislang das am weitesten nach Osten vorgeschobene bekannte Lager in Germanien.

Aliso
Aliso war die einzige in der Geschichtsschreibung namentlich belegte militärische Anlage in der Zeit der Varusschlacht, die östlich des Rheins und nördlich des Mains im noch nicht von den Römern vollends beherrschten germanischen Gebiet gelegen war.
Mangels eindeutiger archäologischer Beweise wird unter den Experten eine Diskussion über den wahren Standort des Kastells geführt. In den meisten Fällen werden die aus der Literatur bekannten Ortsnamen mit lokal vorhandenen in Beziehung gesetzt und daraus der Anspruch abgeleitet, dass an dieser Stelle Aliso gelegen habe.
Es gibt eine Reihe von Textstellen bei den römischen Historikern Tacitus, Cassius Dio, Velleius Paterculus und Frontinus, die den Namen Aliso oder auch Elison erwähnen.
Im Zusammenhang mit dem Elison fällt bei Cassius Dio als dem genauesten Schilderer der Varusschlacht der Name Lupias als die Bezeichnung für einen Fluss, in den ein weiterer Fluss eben mit dem Namen Elison mündet. Ptolemäus nennt zudem in seiner Geographie ein Alisum mit seinen geografischen Koordinaten.
n folgenden Textstellen wird Aliso direkt erwähnt:
• Cass. Dio LIV 33,4
• Vell. II 120,4
• Tac. ann. II 7
Cassius Dio berichtet über die Gründung einer Festung (ÆÁÍÁ¹Ì½ į ÃÆ¹Ã¹½) im Jahr 11 v. Chr. nach der Schlacht von Arbalo (auf dem Rückweg von der Weser):
So wurden sie besiegt und waren dann nicht mehr so kühn, belästigten aber weiterhin geringfügig seine Truppen aus der Entfernung, ohne näher zu kommen. Drusus fühlte sich nun seinerseits überlegen und legte dort, wo der Lupias (›¿ÅÀ¯±Â) und der Elison (¿•»¯Ãɽ) sich vermischen, eine Festung an und eine weitere im Land der Chatten beim Rheine selbst.
Velleius Paterculus berichtete über das Lager (castra) Aliso nach der Varusschlacht:
„Anerkennung verdient auch die Tüchtigkeit des Lagerkommandanten L. Caedicius und derer, die, mit ihm zusammen in Aliso eingeschlossen, durch riesige Massen von Germanen belagert wurden: unter Überwindung aller Schwierigkeiten, die der Mangel an Lebensmitteln unerträglich und der Ansturm der Feinde unüberwindlich machte, fassten sie weder übereilte Entschlüsse noch begnügten sie sich mit tatenloser Vorsicht: sie warteten den geeigneten Moment ab, dann bahnten sie sich mit dem Schwerte die Rückkehr zu den ihrigen.“
Tacitus schrieb über ein Lippe-Kastell und das Kastell Aliso im Jahr 16:
„Während nun die Schiffe zusammengezogen wurden, ließ der Caesar den Legaten Silius mit einer leichtbewaffneten Truppe einen Einfall in das Chattenland machen; er selbst führte auf die Nachricht, ein an der Lippe angelegtes Kastell werde belagert, sechs Legionen dorthin. Doch konnte weder Silius wegen plötzlicher Regengüsse etwas anderes ausrichten, als ein wenig Beute zu machen und des Chattenfürsten Arpus Frau und Tochter zu entführen, noch gaben dem Caesar die Belagerer Gelegenheit zum Kampf, da sie auf die Kunde von seinem Anrücken auseinandergelaufen waren. Sie hatten jedoch den kürzlich für die Legionen des Varus errichteten Grabhügel und einen alten, für Drusus erbauten Altar zerstört. Germanicus stellte den Altar wieder her und führte zu Ehren des Vaters persönlich an der Spitze der Legionen eine feierliche Parade an; den Grabhügel zu erneuern schien nicht zweckmäßig. Schließlich wurde das ganze Gebiet zwischen dem Kastell Aliso und dem Rhein durch neue Heerstraßen und Dammwege erschlossen und gesichert.“
Folgende Textstellen werden mit „Aliso“ in Verbindung gebracht:
• Cass. Dio LVI 22, 2a–3
• Frontinus 2/9,4; 3/15,4; 4/7,8
• Ptolemaios II 11,14
Cassius Dio berichtete über die Zeit unmittelbar nach der Varusschlacht:
„Und die Barbaren erstürmten sämtliche Kastelle außer einem; dieses aber hielt sie so lange auf, dass sie weder den Rhein überschritten noch nach Gallien einfielen. Vielmehr konnten sie nicht einmal dieses in ihre Gewalt bringen, da sie sich nicht auf die Belagerung verstanden und zudem die Römer zahlreiche Bogenschützen hatten, von denen sie unter sehr starken Verlusten zurückgedrängt wurden. Als sie dann die Nachricht erhielten, dass die Römer am Rhein Wache hielten und dass Tiberius mit einem starken Heer im Anmarsch sei, ließen die meisten vom Kastell ab; die Zurückgebliebenen entfernten sich etwas von ihm, um nicht durch plötzliche Ausfälle der Besatzung Schaden zu erleiden, und behielten die Anmarschwege scharf im Auge, in der Hoffnung, durch Lebensmittelknappheit die Übergabe zu erzwingen. Die römische Besatzung aber harrte aus, solange sie genügend Proviant hatte, und hoffte auf Entsatz. Als ihnen aber niemand zu Hilfe kam und der Hunger sie quälte, warteten sie eine stürmische Nacht ab und zogen ab. Es waren wenige Soldaten, viele ohne Waffen. Und...... sie kamen auch an deren erstem und zweiten Wachtposten vorbei; als sie sich aber dem dritten näherten, wurden sie bemerkt, da die Frauen und Kinder aus Erschöpfung und Angst und wegen der Dunkelheit und Kälte andauernd die Männer zurückriefen. Und sie wären alle zugrunde gegangen oder auch in Gefangenschaft geraten, wenn sich die Barbaren nicht zu sehr mit dem Erraffen der Beute aufgehalten hätten. Denn so gewannen die Stärksten einen großen Vorsprung, und indem die Trompeter, die bei ihnen waren, das bei schnellem Marsch übliche Signal bliesen, erweckten sie beim Feinde den Glauben, dass sie von Asprenas geschickt seien. Daher ließen diese von der Verfolgung ab, und als Asprenas von dem Vorfall hörte, kam er ihnen tatsächlich zu Hilfe.“
Sextus Iulius Frontinus schrieb:
„Der Germanenherzog Arminius ließ in ähnlicher Weise (wie Lucius Sulla) die Köpfe derer, die er getötet hatte, aufspießen und an den Wall des feindlichen Lagers herantragen.
Als die Überlebenden nach der Niederlage des Varus belagert wurden, weil es schien, sie hätten Mangel an Getreide, führten sie einige Gefangene eine ganze Nacht hindurch in den Magazinen umher, hieben ihnen dann die Hände ab und entließen sie. Diese brachten die Belagerer dazu, ihre Hoffnung auf eine schnelle Eroberung nicht auf eine Hungersnot der Römer zu bauen, da jenen ein gewaltiger Vorrat an Nahrungsmitteln zur Verfügung stände.
Als der Primipilar Caedicus, der in Germanien nach der Niederlage des Varus die Führung der eingeschlossenen Römer übernommen hatte, befürchtete, die Barbaren würden das Holz, das sie gesammelt hatten, an den Wall schaffen und sein Lager anzünden, tat er, als hätte er Mangel an Holz, und sandte überallhin Leute aus, um es heimlich zu entwenden, und erreichte dadurch, dass die Germanen sämtliche Baumstämme wegschafften.“
Wenn auch die Glaubwürdigkeit einiger Details umstritten sein mag, ist Aliso von den Römern offenbar erfolgreich verteidigt worden. Die Berichte der antiken Historiker haben bis in die heutige Zeit eine Suche nach diesem Kastell in Gang gesetzt, die bislang trotz aller geschichtswissenschaftlichen und archäologischen Bemühungen zu keinem Ergebnis geführt hat.

Römisches Forum Lahnau-Waldgirmes
Das Römische Forum Lahnau-Waldgirmes war ein befestigter römischer Handelsplatz am Rande der Ortschaft Waldgirmes in der Gemeinde Lahnau an der Lahn in Hessen. Die Anlage ist der früheste Beleg für Steinmauern in der Magna Germania.
Es handelt sich um Reste einer der Städte und Marktzentren östlich des Rheines und nördlich der Donau, die von den Römern offenbar planmäßig und auf Zuwachs angelegt gegründet wurden. Sie ist aber nie völlig fertig gestellt worden. Da es keinerlei schriftliche Überlieferungen dafür gibt und am Ort auch keine Inschriften gefunden wurden, ist der ursprüngliche Name des Ortes bislang unbekannt.

Das Gelände nordwestlich von Waldgirmes, nahe der östlichen Stadtgrenze von Wetzlar, wird seit 1993 archäologisch untersucht. Unter den gefundenen Resten dieser Siedlung befand sich ein prächtiges römisches Forum, an dem ein Hauptgebäude (Basilika) mit zwei Apsiden stand. Weitere Gebäude aus römischem Fachwerk, verputzt und bemalt, mit Holzschindeln gedeckt und auf steinernem Fundament errichtet, wurden gefunden.

ie Anlage war von einer mit Erdaushub verfüllten hölzernen Palisade umgeben, davor mit einem zweifachen Graben versehen und durch drei Tore erschlossen; an der Stelle des Nordtores stand ein Turm. Sie ähnelte damit von außen einem römischen Militärlager, innen war sie jedoch ein ziviler städtisch geprägter Handelsplatz mit Markt, zwei kreuzenden Straßen, mit in der Mitte laufenden Gräben für Abwasser oder Brauchwasser, Remisen, Speichern, Tavernen und Häusern mit Laubengängen. Insgesamt wurden - bis zum Jahr 2006 - 24 Hausgrundrisse sowie ein 4 m tiefer Brunnen ergraben. Ein Tempel wurde nicht gefunden, was vielleicht aus der kurzen Siedlungszeit erklärbar ist, denn sonst ähnelte alles einer gehobenen römischen Siedlungsanlage, nichts erinnert an germanische Bauten.
Zwei Gebäude im Westen des Geländes haben militärischen Charakter und wurden wohl während der Gründungsphase von einer militärische Schutztruppe genutzt. Es ist anzunehmen, dass diese militärische Besatzung nicht während der gesamten Besiedlungsdauer vor Ort war.
Zeitlich nicht genau zu datieren sind die Spuren eines temporären Lagers im Osten der Anlage. Es kann vor der Gründungsphase angelegt worden sein und damit im Zusammenhang stehen oder es datiert in die Zeit nach der Aufgabe der Siedlung.
Der größte und wohl auch international herausragende Fund unter den weit über die benachbarten Gebiete und germanischen Siedlungen verstreuten 200 Sammelstücken ist der archäologisch einmalige Fund des Pferdekopfes eines lebensgroßen Reiterstandbilds aus vergoldeter Bronze; es stellt vermutlich den römischen Kaiser Augustus dar. Dieses Standbild, von dem schon vorher weitere Kleinteile gefunden worden waren, wurde von dem aus Braunfels stammenden Künstler Heinrich Janke nachgeformt, wobei er allerdings Augustus nicht in Kaiser- oder Feldherrnpose darstellte, sondern als jungen Mann. Anlässlich der Römertage 2009 zum Gedenken an die 9 n. Chr. stattgefundene Varusschlacht fand das Denkmal seinen Platz auf dem Römischen Forum.
Außerdem enthielt der Siedlungsschutt zahlreiche kostbare Kleinfunde, so eine Glasgemme mit einer Darstellung aus dem Mythos der Niobe, eine Mosaikglasperle mit der Darstellung des Apis, weitere Schmuckstücke und Rohbernstein. Neben römischer Keramik gibt es aber auch zu etwa 20 Prozent einfache, ungedrehte germanische Töpferware. Offenbar wohnten verschiedene Bevölkerungsteile nebeneinander in der Stadt. Münzfunde datieren die Siedlung in die Zeit zwischen 5 vor und 9 nach Christus, dem Jahr der Varusschlacht; es wird angenommen, dass die Siedlung danach aufgegeben wurde.

Seit Theodor Mommsen nahm man an, dass die Operationen der Römer in Germanien sich auf Erkundungszüge und auf kleinere, temporäre Handelsstationen beschränkte. Allerdings gibt Cassius Dio 56,18,2 an, dass zur Zeit des Varus bereits erste Städte gegründet waren. Eine solche Stadt war offenbar auch Waldgirmes, bestimmt für den Handel mit Germanien sowie zur Versorgung der römischen Truppen. Etwa 8 km entfernt wurde um 20 v. Chr. das keltische Oppidum Dünsberg aufgegeben.
Waldgirmes scheint eine planmäßige Gründung auf grüner Wiese gewesen zu sein. Dendrochronologische Untersuchungen an den Resten eines hölzernen Brunnens ergaben eine Fällung des Baumes im Jahre 4 v. Chr. Die Siedlung dürfte also schon um diese Zeit in Bau gewesen sein. Sie lag sehr günstig im Schutz der Hügel auf einem Sporn, der in den Fluss Lahn ragt, und das römische Gebiet am Rhein war per Schiff schnell zu erreichen. Möglich ist auch - hierfür spricht die Anlage des überdimensionierten Forums im Zentrum der Siedlung - dass die Siedlung als Hauptort einer civitas geplant war und ihre Anlage in engem Zusammenhang mit der geplanten Provinzialisierung Germaniens stand.
Die Stadt blieb aber unfertig, wie weite unbebaute Areale zeigen. Dabei lässt die Fundsituation - es wurden unter anderem eine Vielzahl kleiner Bruchstücke einer vergoldeten lebensgroßen Reiterstatue gefunden, die vermutlich zerschlagen worden ist - die Annahme zu, dass die Stadt niedergebrannt und geplündert wurde [2]. Spuren von stattgefundenen Kämpfen sind derzeit jedoch nicht belegt.

Kastell Marktbreit

Das Kastell Marktbreit ist ein römisches Legionslager, das 1985 bei einer Befliegung des Luftbildarchäologen Otto Braasch entdeckt wurde. Es liegt auf dem Kapellenberg nordöstlich der unterfränkischen Stadt Marktbreit in Bayern auf einem Geländesporn an einer alten Mainfurt.
Magnetometeruntersuchungen und Sondagen zeigten ein 37 Hektar großes römisches Legionslager, das von einer 2,8 Meter breiten Holz-Erde Mauer umgeben war. Eine architektonische Besonderheit ist ein axial auf die Principia (Stabsgebäude) bezogenes und mit diesen verbundenes Prätorium (Kommandantenwohnung). Ein solcher zentraler Stabsbau findet sich analog im Lager Haltern.
Das Lager Marktbreit wurde vermutlich 5/6 n. Chr. durch Gaius Sentius Saturninus im Zuge des Markomannenfeldzuges des Tiberius angelegt. Nach dem Abbruch des Feldzuges wurde die Befestigung nicht mehr benötigt und durch Brand niedergelegt. Es ist bislang das einzige entdeckte römische Kastell am Main.

Der Bereich des Lagers ist ein Bodendenkmal nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz (BayDSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

__________________
Fürst Vladimir Monomachos (1113-25) Rat an seine Söhne:
"Vor allen Dingen vergiß nicht die Armen und unterstütze sie mit allem, was du hast. Gib den Waisen und schütze die Witwen, und erlaube keinem Mächtigen, Menschenschicksale zu zerstören."

Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von sigurd am 08.02.2010 02:27.

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